Der Schwerpunkt

ZOE

Schwerpunkt:

Prinzipien des Wandels

Zwischen Anspruch und Anwendung

Denn wir wissen (nicht), was wir tun


Die Organisationsentwicklung hat wie jede andere Profession über viele Jahre ihre eigenen Spielregeln und Routinen entwickelt. Sie hat ihre eigenen Terminologien und Begrifflichkeiten, Bücher, Helden, Kongresse, Formen der Qualifikation und Schulung oder Fachzeitschriften (wie diese hier). Alles nicht verwerflich. Aber Moment mal: Auf was basieren all diese Entwicklungen überhaupt? Gibt es einen professionsübergreifenden Wertekanon, der für alle gilt? Verfügen wir über empirisch validierte Normen und Gesetzmäßigkeiten, die Wandel und Veränderungsarbeit in und mit Organisationen belegen? Wie definieren wir Erfolg im Wandel von Organisationen? Oder anders gefragt: Wissen wir eigentlich, was wir tun?

Wenn wir Wandel gestalten, nach welchen Prinzipien handeln wir dabei? Nach erfahrungs- und/oder theoriegeleitetem Wissen? Nach persönlichen Neigungen? Entwickeln wir Organisationen trotz oder wegen besseren Wissens? Was bleibt vom Wandel übrig, wenn man Dogmen, Universalitätspostulate und persönliche Neigungen einfach mal abstreift? Haben wir es hier nur mit Glaubensbekenntnissen oder gar Mythen oder mit harten Erkenntnissen zu tun? Plötzlich wird es ungemütlich, befremdlich und irgendwie auch still: Denn wir haben auf diese Fragen keine wirklichen Antworten. Mit dieser Ausgabe wollen wir uns daher auf die Reise in ein Land machen, das uns vertraut erscheint, aber dessen Kartierung wir neu beleuchten wollen.

Ein Gespräch zwischen Klaus Doppler, Fritz B. Simon und Rudi Wimmer ist der Auftakt unserer Reise. Wir bringen damit geschätzte 120 Jahre Berufserfahrung bei der Gestaltung von Wandel an einen Tisch und lauschen, welche Muster und Erkenntnisse sich daraus ableiten. Arjan Kozica und Petra Kneip wagen einen Blick auf Best Practices im Wandel, der durch einen schonungslos das Change Management demystifizierenden Beitrag von Rune Todnem By ergänzt wird. Jedes Paradigma und Tool hat seine Zeit: Walter Sinn von Bain & Co. zeigt uns die Trends und Moden von Managementprinzipien im Verlauf der Jahre. Mit Christoph Beier werfen wir einen Blick in die Welt des internationalen Wandels. David Winter hat sich für uns im Web nach Prinzipien des Wandels umgeschaut und Erich Rutemöller zeigt, dass auch der Fußball im Profigeschäft nach ganz bestimmten Prinzipien funktioniert.

Neben dieser Tiefenbohrung bieten wir auch in diesem Heft ein breites Potpourri an Einblicken und Erkenntnissen aus der Welt des Change: Wir blicken gemeinsam mit Ellen Langer auf die Bedeutung von Achtsamkeit in unsicheren Zeiten. Michael Köhler und Elisabeth Heid zeigen uns die Chancen und Risiken auf, wenn Führungskräfte zukunftsfähig gemacht werden sollen. Das eine sagen und das andere tun: Führungskräfte und Mitarbeiter empfinden den Spagat aus Hierarchie und Selbstorganisation nicht selten als Überforderung. Hier können wir von Ameisen lernen. In unserer Fallklinik schauen wir, wie es Kommunalverwaltungen gelingt, organisationskulturelle Transformation im Angesicht der Bewältigung von Flüchtlingsströmen zu bewältigen – ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Kontexte kulturprägend für Organisationen sind.

Mit dieser Ausgabe liefern wir Antworten und Fragen gleichermaßen. Antworten auf tägliche Herausforderungen und Ereignisse unseres Geschäfts mit Wandel und Transformation. Fragen zu den großen Zusammenhängen der Welt der Organisationsentwicklung, deren Bedeutsamkeit in turbulenten Zeiten nicht wichtiger sein könnte. Lassen Sie sich ein auf einen Dialog, der mit dem Erscheinungsdatum dieser Ausgabe nicht enden sollte.

Top