Handelsblatt News

Ende einer Irrfahrt

Scheitern gehört eigentlich nicht zu Carsten Kengeters aktivem Wortschatz. Doch an diesem Mittwoch wird sich der Chef der Deutschen Börse ebendieses eingestehen müssen: Denn die EU-Kommission wird aller Voraussicht nach der geplanten Fusion mit der Londoner Börse den Todesstoß verpassen, indem sie das Vorhaben aus kartellrechtlichen Gründen ablehnt. Damit wird der seit dem britischen Brexit-Referendum im vergangenen Juni quälend lang dahinsiechende Deal endgültig gestorben sein. Das Scheitern wird keine dramatischen Folgen haben - weder für den Finanzplatz Frankfurt noch für die Deutsche Börse selbst. Gleichwohl rückt das finale Aus für den Megadeal die Führungsspitze rund um Kengeter und Aufsichtsratschef Joachim Faber ins Scheinwerferlicht. Denn der fehlgeschlagene Zusammenschluss ist nicht das einzige Thema, das die Bilanz des Führungsduos trübt. Auch dass der von Faber geleitete Aufsichtsrat dem Deutsche-Börse-Chef ein im Vergleich zu den Vorjahren deutlich größeres Gehaltspaket von

weiterlesen

Kraftakt für das Elektrozeitalter

Groß ist die Genugtuung, wenn Daimler-Chef Dieter Zetsche am Mittwoch vor die Hauptversammlung des Konzerns in Berlin tritt. Nach zehn Jahren im Amt kann er endlich liefern, was er versprochen hat. 2016 hat die Marke Mercedes dank zehn Prozent Absatzwachstum erstmals wieder mehr Autos verkauft als der große Rivale BMW mit seiner Kernmarke. Nie hat Daimler nach der Trennung von Chrysler so viel erlöst und so viel verdient wie im abgelaufenen Jahr. Für die Aktionäre bleibt es bei einer ordentlichen Dividende von 3,25 Euro - die damit genauso hoch liegt wie im vergangenen Jahr. Aber Daimler ist eben nicht nur Mercedes. Der Stuttgarter Konzern ist ein Konglomerat, das neben Autos auch Lieferwagen (Vans), schwere Trucks und Busse baut, umfangreiche Händlernetze unterhält und zudem eine große Bank zur Absatzfinanzierung betreibt. Wie in jedem Konglomerat liegen auch bei Daimler Licht und Schatten eng beieinander: Während die Autosparte, Vans und Busse kräftig zulegen, trüben im Lkw-Geschäft

weiterlesen

Der Mann des Marktes

Angeblich soll auch Carlos Ghosn, der Chef von Nissan-Renault, auf der Liste gestanden haben, die die Personalberater von Spencer Stuart dem Kontrollgremium des Rohstoffkonzerns Vale vorlegten. Doch der entschied sich für Fábio Schvartsman. Der 63-Jährige soll künftig den weltweit größten Eisenerzkonzern als Vorstandsvorsitzender leiten. So wie der gebürtige Brasilianer Ghosn ist auch Schvartsman ein höchst erfolgreicher Manager, der seine gesamte Karriere in der Privatwirtschaft verbracht hat - was einen klaren Kurswechsel für ein staatlich kontrolliertes Unternehmen in dem südamerikanischen Land bedeutet. Denn der Bergbaukonzern ist zwar börsennotiert und seine Aktie einer der wichtigsten Blue Chips aus einem Emerging Market. Doch das Sagen haben dort staatliche Pensionsfonds und Banken - neben dem japanischen Mischkonzern Mitsui und der privaten brasilianischen Banco Bradesco. Doch diesen politischen Einfluss muss Schvartsman radikal reduzieren: Vale soll seine nicht stimmberechtigten

weiterlesen

Pleiten, Pech und Pannen

Es war ein Schreck am frühen Morgen. Als Kunden der Deutschen Bank am Freitag, dem 3. Juni 2016 einen Blick auf ihre Konten warfen, trauten viele ihren Augen nicht. Auf knapp drei Millionen Konten tauchten Lastschriften und Abbuchungen plötzlich doppelt auf. Die Panne riss viele Konten scheinbar ins Minus. Tief in den roten Zahlen, und das gleich zu Monatsbeginn - kein Wunder, dass sich der Schreck in den sozialen Medien schnell in Wut verwandelte. Einen Tag später war zwar alles wieder in Ordnung, aber die peinliche IT-Panne bedeutet doch mehr als ein Imageproblem für Deutschlands größtes Geldhaus. Gleich am Anfang seiner Amtszeit hatte Vorstandschef John Cryan die IT als eines der größten Probleme der Bank gebrandmarkt: "Wir haben lausige, schrecklich ineffiziente Systeme", gab er damals zu Protokoll. Einen Satz, den er heute so sicher nicht wiederholen würde, der aber die Probleme vieler deutscher und europäischer Banken mit ihren veralteten und viel zu komplexen IT-Systemen auf den

weiterlesen

Facebooks HardwareExperiment

Wer schon einmal im Silicon Valley war, weiß: Das Tech-Mekka traut sich nahezu alles zu. Mit Hilfe von Software sei jedes Problem lösbar, glauben die Gründer unter der Sonne Kaliforniens. Nur vor einer Sache haben sie gehörigen Respekt: der Hardware. "Warum heißt es Hardware? - Weil es hart ist", warnt ein geflügeltes Wort der Branche. Die Entwicklung von Geräten frisst Kosten und Zeit, ein Computercode dagegen exportiert sich via Internet fast wie von selbst in alle Welt. Inzwischen jedoch rücken die intelligenten Apparate den Nutzern vermehrt zu Leibe, sei es als Smartwatch oder im vernetzten Zuhause. Das Design entscheidet immer stärker, wie wir Technologie erleben. Die Konzerne sehen sich folglich gezwungen, mehr als bislang in die verhasste Hardware zu investieren. Das hat auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg erkannt und baut mit "Building 8" eine neue, weitgehend unbekannte Einheit auf. Auf dem Campus in Menlo Park gibt es kein Gebäude mit der Nummer acht. "Building 8" soll alle

weiterlesen

Unruhe bei Daimler

Daimler-Chef Dieter Zetsche bringt an diesem Mittwoch eine Menge guter Nachrichten mit auf die Hauptversammlung: 153 Milliarden Euro Umsatz und 8,78 Milliarden Euro Gewinn sind Rekordwerte, die Marke Mercedes liegt wieder vor dem Rivalen BMW. Und mit 3,25 Euro je Aktie zahlt der Stuttgarter Autokonzern eine der höchsten Dividenden im Dax. Doch die Freude über die neue Stärke ist getrübt: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Daimler-Mitarbeiter wegen überhöhter Abgaswerte und Strafzahlungen wegen eines Lkw-Kartells beunruhigen die Aktionäre. So will die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die viele Kleinanleger vertritt, dem Daimler-Vorstand auf der Hauptversammlung die Entlastung verweigern. Die DSW ist verärgert, dass Daimler keine Schadensersatzansprüche an Manager im Zusammenhang mit dem Lkw-Kartell stellt, und fordert eine Sonderprüfung. Daimler muss eine Milliarde Euro Strafe zahlen, zudem klagen Spediteure auf Schadensersatz. Fondsmanager Ingo Speich

weiterlesen

Der Patriarch tritt ab

Die Öffentlichkeitsscheu hat Hubertus Benteler auch nach 43 Jahren im Unternehmen und 26 Jahren an der Spitze nicht abgelegt. Unternehmen vor Familie, lautet seine Devise. Über persönliche Ziele mag er nicht sprechen, wohl aber über die Zukunft des 141 Jahre alten Familienunternehmens. Er sieht den Autozulieferer und Stahlspezialisten gut aufgestellt und sagt: "Ich bin zuversichtlich, dass das Team diese neuen Herausforderungen gut meistern wird." Mit dem Team meint der 70-Jährige den neuen Vorstand und allen voran Ralf Göttel, der am 1. April als Familienfremder Vorstandschef wird. Damit tritt die vierte Generation der Gründerfamilie ab. Hubertus Benteler hat seinen Betrieb sicher und ruhig geführt, sagen Unternehmenskenner. Und das in stürmischen Zeiten, die auch für seinen Nachfolger Göttel gelten. Der Umsatzrückgang auf 7,4 Milliarden Euro in Bentelers letzter Bilanz zeugt davon: ein Minus von 2,3 Prozent. Dafür sei die angespannte Lage in der Sparte Stahl Rohr und der Verkauf der

weiterlesen

Peinliche Dauerschleife

Bei vielen Verwaltungsräten der staatlichen Förderbank KfW dürfte sich auf ihrer Sitzung am Dienstagnachmittag ein sachtes Déjà-vu-Gefühl eingestellt haben: Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr schafften es IT-Probleme des drittgrößten deutschen Kreditinstituts auf die Tagesordnung der Sitzung. Zu Jahresbeginn hatten die KfW-Kontrolleure noch einen kritischen Bericht der Bankenaufseher über den fragilen Zustand der Computersysteme der Förderbank diskutiert - und als hätte es dafür noch eines Beweises gebraucht, ging es am Dienstag um eine peinliche Überweisungspanne. Einmal mehr sorgt die KfW für Schlagzeilen, weil sie ihre Technik nicht in den Griff bekommt. Die Bundesregierung reagiert erzürnt, externe Experten sollen die Vorgänge aufklären. Und das Ausmaß der Panne ist größer als bislang bekannt: Insgesamt überwies die KfW im Februar versehentlich eine Summe von 7,6 Milliarden Euro zu viel auf die Konten von vier anderen Geschäftsbanken, erfuhr das Handelsblatt von mit den Vorgängen

weiterlesen
Top