Handelsblatt News

Neue Schutzmacht für freien Handel

Mit einer historischen Rede in Davos hat der chinesische Präsident Xi Jinping die bisherige Rollenverteilung in der Weltwirtschaft auf den Kopf gestellt. "Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft und müssen den Multilateralismus erhalten", sagte Xi vor mehreren Tausend Managern und Politikern beim World Economic Forum. Ausgerechnet der Präsident Chinas, eines Landes, das mit vielen protektionistischen Maßnahmen seine Wirtschaft schützt, wies sich damit die Rolle einer Schutzmacht für freien Handel zu. Diese fällt eigentlich traditionell den Amerikanern zu. Der neue US-Präsident Trump hat jedoch bereits vor seinem Amtsantritt am Freitag deutlich gemacht, dass für ihn vor allem eines gilt: "America first". Der Auftritt von Xi war der gezielte Versuch, das von Trump erzeugte Führungsvakuum zu füllen. Trump hat seinen Berater Anthony Scaramucci nach Davos entsandt, um die Sorgen der globalen Elite zu zerstreuen. "Wir wollen keinen Handelskrieg", sagte der ehemalige Goldman-Sachs-Banker mit Blick

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Im Zangengriff

Noch vor einem Jahr musste sich John Cryan auf dem Podium in Davos anhören, dass Großbanken in den kommenden zehn Jahren von Technologieunternehmen aus dem Markt gedrängt würden. Doch dieses Jahr präsentierte sich der krisengestählte Chef der Deutschen Bank selbstbewusster: "Wir setzen voll auf Technologie", sagte der Brite. "Damit können wir unsere Kontrollen, unsere Effizienz und unseren Kundenservice verbessern." Banken seien bislang nicht sehr innovativ gewesen, das ändere sich derzeit aber - auch wegen der Angreifer aus der Finanztechnologiebranche. Der Druck dieser Fintechs auf die Banken ist gewaltig - und auch in Davos ist das rasante Wachstum dieser Start-ups neben den Dauerbrennern Regulierung und Niedrigzinsen eines der Top-Gesprächsthemen der Branche. Fintechs spielten eine zunehmend wichtige Rolle in der Finanzbranche, sagte David Rubenstein, Gründer der US-Beteiligungsgesellschaft Carlyle. Die globalen Investitionen in Fintechs würden in den kommenden zehn Jahren um 15 Prozent

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Anstand und Haltung

Nicht jeder Spitzenverdienst ist schlecht. Wenn jemand etwas Bahnbrechendes erfindet oder eine herausragende Geschäftsidee hat, dann kann und soll er durchaus sehr viel verdienen. In der Sozialen Marktwirtschaft ist das auch breit akzeptiert, weil es zugleich der Gesellschaft nützt. Natürlich gilt aber umgekehrt nicht für jedes hohe Einkommen, dass es automatisch einen gesellschaftlichen Nutzen abbildet. Und mit der Globalisierung sind die Verdienstmöglichkeiten für manche ganz besonders stark gestiegen. Viele Menschen fragen sich, ob enorme Vergütungen immer gerechtfertigt sind, ob sie wirklich durch außergewöhnliche Leistungen gedeckt sind. Die Antwort darauf ist nicht einfach: Wir hatten zum Beispiel Fehlentwicklungen in den Banken, die wir gezielt angegangen sind. Dort haben wir die sofortige Auszahlbarkeit von Boni massiv beschränkt. Schon jetzt muss die Auszahlung von wenigstens 40 Prozent der Boni von Bankmitarbeitern bedeutender Institute auf drei bis fünf Jahre gestreckt werden.

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Technologie treibt an

Unsicherheit ist Gift fürs Geschäft - diese Weisheit gilt vor allem im Geschäft mit Übernahmen und Fusionen. Politische Unwägbarkeiten sind es erst recht. Und davon hat die Welt im Moment genug. In London verkündet die britische Premierministerin Theresa May den harten Ausstieg des Landes aus der EU - wie auch immer das konkret aussehen mag. In den USA feuert der kommende Präsident zwar ständig Twitter-Salven, doch wie er seine Politik tatsächlich gestalten wird, liegt im Bereich des Spekulativen. Nutzt er nun der Wirtschaft, oder schadet er ihr? Selbst die Börse weiß es mittlerweile nicht mehr. Und dann kommen 2017 auch noch die Wahlen in Frankreich und Deutschland mit einem vermuteten Rechtsruck. So ein Umfeld ist für Unternehmen nicht nur unsicher, sondern auch orientierungslos. Es wäre also verständlich, wenn sich Manager im Büro verschanzten und ihre Pläne für eine Expansion via Übernahme in der Schublade ließen. Dem ist aber nicht so. Das neue Jahr geht dort weiter, wo das alte aufgehört

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Mutter des roten Knopfs

Renate Pilz gewährt einen seltenen Einblick in ihr ungewöhnliches Familienleben. "Das ist unser Zimmer mit den drei Schreibtischen, die sich gegenüberstehen", sagt die Seniorchefin des Spezialisten für Sicherheits- und Automatisierungstechnik Pilz. Seit Jahren sitzt sie mit Sohn und Tochter in einem Zimmer und führt das Familienunternehmen. Ein Team, das auch das Schicksal zusammengeschweißt hat. Eigentlich hatte Renate Pilz nie geplant, Unternehmerin zu werden. Als ihr Mann Peter bei einem Flugzeugabsturz 1975 ums Leben kam, saß sie als 35-jährige Hausfrau da mit zwei kleinen Kindern. Sie überließ die Führung zunächst familienfremden Managern. Als die Kinder studierten und danach auf eigenen Beinen standen, stieg sie 1994 doch in die operative Unternehmensführung ein. Das ursprünglich 1948 als Glasbläserei für medizinisch-technische Apparate gegründete Unternehmen, hatte sich in den 60er-Jahren zum Anbieter von elektronischen Kontroll- und Überwachungsgeräten entwickelt. 1975 beschäftigte

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Früherer Axa-Chef geht in die Politik

Wer einen Minister von Ludwig XVI. oder zwei Generäle der französischen Kolonialkriege zu seinen direkten Vorfahren zählt, fühlt sich auch selbst zum Staatsdienst berufen. Mit einem Interview im konservativen "Le Figaro" hat Herzog Henri de la Croix de Castries, bekannt als früherer Chef des Versicherers Axa, jetzt seine Unterstützung für den konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon offiziell gemacht. Fillon hat gute Chancen, die Wahl im Mai zugewinnen, und de Castries könnte dann einen wichtigen Posten in der Regierung übernehmen. Auf die Frage, ob er Lust auf ein Ministeramt habe, antwortet der 62-Jährige pflichtgemäß: "Das ist keine Frage der Lust." Im Frühjahr 2016 hatte der Topmanager überraschend seinen Rückzug angekündigt und den Deutschen Thomas Buberl als Nachfolger installiert. Es war bekannt, dass de Castries zum engen Kreis der Fillon-Getreuen zählt. Er und der Kandidat sind seit Jahren befreundet. An den umstrittenen Vorschlägen Fillons zur Teilprivatisierung

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Kräftig aufgeräumt

Der Ausblick ist schwindelerregend. Unter der kleinen Plattform geht es Hunderte Meter in die Tiefe, und am Horizont ist das gesamte Alpenpanorama zu sehen. Plötzlich fliegen Dutzende Bilder mit Jahreszahlen vorbei. Wenn man die Virtual-Reality-Brille ablegt, ist der ganze Spuk wieder vorbei. Willkommen in der neuen Welt von Bogner! Der noch neue Vorstandschef Alexander Wirth zeigt während der Fashion Week auf der Messe Premium in Berlin, wo es für die Traditionsmarke hingehen soll. Die 4D-Demonstration ist Teil des Versuchs, das angestaubte Image des Münchener Sportmode-Unternehmens zu verjüngen. Beitragen soll dazu natürlich vor allem die Kollektion. "Wir setzen viel mehr klare Farben und sportliche Schnitte ein", sagte Wirth dem Handelsblatt an dem Stand in den Backsteinhallen am Gleisdreieck in Kreuzberg. Es sind Pullover, Sweatshirts und Jacken in kräftigem Rot zu sehen, auf dem nur ein kleines Logo mit dem bekannten Bprangt. Wirth muss die Marke zurück zum Erfolg führen. In den

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Schlägt Neugier Erfahrung?

Über die Qualifikation der Aufsichtsräte wird mehr geschrieben, als bekannt ist. Sicher ist, gute Aufsichtsräte sind rar: bei weitem rarer, als vermutet wird. Vor allem nach der Selbsteinschätzung von Mandatsträgern. Eines der wenigen Qualifikationsmerkmale scheint Erfahrung zu sein. Schwer überprüfbar und nicht allein eine Funktion der zurückgelegten Lebensjahre. In den Aufsichtsräten der großen deutschen Aktiengesellschaften kann Erfahrung als umfassend vertreten angenommen werden. Gilt dies aber auch für Erfahrungswissen? So ist hinreichend bekannt, dass mehr als 75 bis 80 Prozent aller Unternehmenszusammenschlüsse nicht erfolgreich verlaufen: "Merger of equals" scheitern nahezu ausnahmslos, fast garantiert. Es ist bekannt und vielfach bestätigt, dass internationale, insbesondere aber transatlantische Fusionen diese Statistik dominieren. Zudem ist die Wirtschaftsgeschichte voller Beispiele, die eindrucksvoll belegen, dass Gemeinschaftsunternehmen, also 50-zu-50-Beteiligungen, nur

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