Das Angebot der Beratung


Mehrere Angebote erleichtern den Eintritt in die Beratung

Wie wir gesehen haben, stehen zu Beginn der Laufbahn als selbständig tätige Beraterin oder Berater Überlegungen hinsichtlich der eigenen Person sowie dem jeweiligen Umfeld, in dem man tätig werden möchte, im Vordergrund. Beratung ist zweifellos eine interessante und auch anspruchsvolle Tätigkeit.

Allerdings ist es notwendig dieses Berufsfeld ein wenig zu entmystifizieren, denn die tatsächlichen Tätigkeiten der Beratung können vielseitig sein. Es bietet sich an pragmatisch an das Vorhaben heranzugehen.

Die Planung des „Nicht-planbaren“

Als Beraterin (zur Abwechslung wird hier diesmal durchgängig die weibliche Form verwendet, d.h. die folgenden Ausführungen gelten auch für Kollegen) ist man zu einem Großteil auch Unternehmerin. Eine wichtige Tätigkeit für Unternehmerinnen ist natürlich jene, dass sie für ihre Liquidität Sorge tragen und ihre Zahlungsflüsse koordinieren. Ein erster Schritt ist die Erstellung eines „Business Planes“, der selbstverständlich nicht nur Ausgaben, sondern ebenso die erwarteten Einnahmen berücksichtigt.

Damit verbunden ist eine sorgfältige Planung der Tätigkeiten bei Kunden, was nicht immer sehr einfach zu erzielen ist, denn Beratung ist ein Geschäft, das nicht wirklich planbar ist. Wer Beratung sucht, hat ein Problem und dieses muss so rasch wie möglich bearbeitet werden. Wer beispielsweise einen Konflikt bearbeiten will, sollte nicht ein halbes Jahr warten müssen. Daher wird von Beraterinnen erwartet rasch verfügbar zu sein und entsprechend tätig werden zu können. Eine solche „Verfügbarkeit auf Abruf“ ist für Beraterinnen nicht immer einfach zu gewähren. Man muss entweder auf den Zufall hoffen, oder über eine entsprechend ökonomische Unabhängigkeit verfügen (manche meinen auch, dass man sich für diesen Beruf am besten eignen würde, wenn man ausreichend viel geerbt hat…). Immerhin müssen auch Beraterinnen ihr tägliches Leben finanzieren können.

Um finanzielle „Durststrecken“ zu überwinden wäre es angebracht, über alternative Angebote nachzudenken. Ein Beispiel dafür wäre die Tätigkeit in Trainings, bzw. Seminaren und Weiterbildungsmaßnahmen.

Ein Standbein und ein Spielbein …

Trainings sind planbare Vorhaben, denn sie werden in der Regel lange vorher schon vereinbart und entsprechend organisiert. Neben einer (relativen) Sicherstellung in ökonomischer Hinsicht bieten sie auch Gelegenheit zum Aufbau von Erfahrungen. Beispielsweise bieten sie Gelegenheiten den Umgang mit kleineren sozialen Einheiten zu erlernen. Man kann sich im Rahmen inhaltlicher Themenstellungen mit der Vermittlung schwieriger Sachverhalte erproben, sowie im Umgang mit gruppendynamischen Phänomenen und kritischen Situationen vertraut werden. Dies alles trägt zu einer größeren Gelassenheit in unvorhersehbaren und anspruchsvollen Beratungssituationen bei. Darüber hinaus werden Trainings oft zu Unrecht abgewertet, denn sie dienen nicht selten zur Vorbereitung oder als Begleitmaßnahmen von Veränderungsvorhaben.

Neben all diesen Argumenten scheint der gewichtigste unternehmerische Vorteil darin zu liegen, dass man mit Trainings so etwas wie ein „Standbein“ schafft, das ein gewisses Durchhaltevermögen für längere Wartezeiten auf Beratungsaufträge ermöglicht. Eine solche Strategie dürfte insbesondere für jene sinnvoll zu sein, die neu in das Beratungsgeschäft einsteigen wollen.

Umgang mit „Unstrukturiertheit“

Trainings haben den Vorteil, dass sie in der Regel strukturierte Vorhaben sind. Man weiß, was man wann, in welcher Abfolge und wie vermittelt. Man kann sich an Zielen und an einer entsprechenden Didaktik orientieren und dadurch inhaltlich-thematische Sicherheit gewinnen. In Beratungssituationen hingegen muss man mit Überraschungen und Wendungen genauso umgehen können wie mit einem hohen Grad an Ungewissheit. Man kann sie weder mit Didaktik noch mit vorbereiteten Übungen bewältigen.

Um sich darauf gut vorbereiten zu können, bietet sich die Durchführung von Workshops an. Dazu könnte man Teamentwicklungs-Maßnahmen, moderierte Arbeitstreffen, Strategie-Meetings, etc. zählen. Man wird zwar als Leiter von Workshops ähnlich wie bei Trainings einen Ablauf definieren, muss jedoch bereit sein, auf unvorhersehbare Abweichungen zu reagieren und von der Vorbereitung situationsgerecht abweichen zu können. Das erfordert entsprechende Kompetenzen und Sicherheit im Umgang mit Unstrukturiertheit.

Zwar kann man den Umgang mit solchen wenig strukturierten Situationen besonders gut in gruppendynamischen Trainings erleben und erlenen. Dennoch wird es erforderlich sein, sich selbst in einer steuernden Rolle mit nicht vorhersagbaren Situationen zu erproben. Gelegenheiten dafür finden sich in der Durchführung teilstrukturierter Aufgabenstellungen. Workshops werden weniger langfristig geplant, allerdings werden diese auch weniger spontan angefragt wie Beratungen. Insofern haben sie einen eher „intermediären“ Charakter was die Planbarkeit betrifft.

Alternative Angebote machen

Diese Beispiele sind dazu gedacht angehenden Beraterinnen hinsichtlich ihrer Erwartungen an das Beratungsgeschäft ein wenig zu entlasten. Die einschlägige Literatur (und so auch die Selbstdarstellungen der Akteure im persönlichen Gespräch) suggeriert, dass Beraterinnen ausschließlich mit Beratungstätigkeiten beschäftigt sind. Beobachtet man jedoch die Szene, wird erkennbar, dass in der Praxis oft pragmatischer vorgegangen wird, als manche es zugeben. Davon darf man sich nicht beeindrucken lassen. Es bietet sich an, schrittweise vorzugehen und nicht alles auf eine einzige Karte zu setzen. Insbesondere Neueinsteiger sind gut beraten in ihrem „Portfolio“ mehrere Themen und auch verschiedenen Methoden anzubieten. Man sollte für ein gutes, stabiles, planbares „Standbein“ sorgen, um beraterische Aktivitäten am „Spielbein“ bewältigen zu können.

 

(Autor: Gerhard P. Krejci, E-Mail: Krejci@simon-weber.de)


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