Daten fördern kritisches Denken und Neugier


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Analytics aus Sicht einer ihrer Pioniere

Wie gehen Unternehmen im deutschsprachigen Raum mit Daten und deren Analyse um? Setzen sich Manager intensiv mit dem Thema Analytics auseinander? ZOE-Redakteur Prof. Dr. Martin Eppler hat mit Henrik Jorgensen, dem Country Manager DACH der Visualisierungs-Software-Firma Tableau, über die Trends und Tücken im Umgang mit Daten in Unternehmen gesprochen.

ZOE: Sind Manager im deutschsprachigen Raum «analyticsreif»?

Jorgensen: Manager haben mittlerweile erkannt, dass Data Analytics essentiell ist für ihre weitere positive Unternehmensentwicklung. Laut einer Umfrage, die wir im letzten Jahr durchgeführt haben, hält mehr als die Hälfte der befragten Entscheider die Fähigkeit ihres Unternehmens, Daten zu analysieren, für «sehr wichtig». Bis zur erfolgreichen Umsetzung sind allerdings noch nicht alle Organisationen gekommen. Das hat mehrere Gründe. Von Führungskräften wird beispielsweise häufig unterschätzt, dass eine datengetriebene Unternehmenskultur oben beginnt. Das Management sollte daher eine datengesteuerte Firmenkultur vorleben, anstatt sie einfach nur anzuordnen. Führungskräfte sollten mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie beispielsweise Datenanalysen selbst als Entscheidungsgrundlage nutzen, sie in Meetings einfließen lassen und Empfehlungen ihrer Teams einfordern, die von Daten gestützt sind. So kann in den Teams ein Bewusstsein für den Wert von datenbasierten Entscheidungen und den Einsatz neuer Technologien entstehen.

ZOE: Was muss man denn heute als Manager über Visual Analytics wissen?

Jorgensen: Grundsätzlich kann Visual Analytics sehr viel leisten, wenn man es richtig einzusetzen weiß. Gerade der visuelle Aspekt unserer Lösungen lädt dazu ein, seine Daten interaktiv zu entdecken, immer wieder neue Fragen an das Dashboard zu stellen und ermöglicht so einen fast spielerischen Umgang mit Daten. Diese Kultur des Hinterfragens entfesselt das große Potenzial von Visual Analytics.

Um sich zu einem datengetriebenen Unternehmen zu wandeln und das volle Potenzial aus den Daten zu schöpfen, sollten aber möglichst viele Mitarbeitende lernen, mit Daten und ihrer Analyse umzugehen. Hierzu braucht es einerseits eine entsprechende Befähigung bzw. Qualifizierung durch Schulungen, Webinare und andere Fortbildungsmaßnahmen. Anderseits müssen die Fachbereiche auch entsprechende Self-Service-Technologien an die Hand bekommen. Wir beobachten weltweit, aber auch in Deutschland, einen Trend zum Einsatz von Self-Service-Analytics-Lösungen. So werden alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, nicht nur die in den IT-Fachabteilungen, in die Lage versetzt, Erkenntnisse aus ihren Daten zu ziehen.

ZOE: Was sind die Trends in diesem Themenfeld?

Jorgensen: Tableau arbeitet intensiv daran, seine Lösungen nutzerfreundlich zu gestalten und möglichst vielen Menschen den natürlichen Umgang und die Analyse von Daten zu ermöglichen. Diese immer leichtere Anwendbarkeit für alle ist auch der große Trend, der sich in den technologischen Entwicklungen widerspiegelt.
Die natürliche Sprachverarbeitung setzt sich weiter durch und wird intelligenter. So lassen sich frei formulierte Fragen an das Dashboard stellen, es entsteht ein Dialog zwischen Mensch und Maschine. Bei Tableau heißt diese innovative Anwendung «Ask Data».

Außerdem beobachten wir, dass Data Science zunehmend in die Fachabteilungen wandert. Denn: Da immer mehr Abteilungen mit Daten arbeiten, verfügen auch immer mehr Menschen über Datenkompetenzen. Und egal ob Manager, Datenexperte, Mitarbeiter im Büro oder im Außendienst – sie alle wollen auf Daten und Erkenntnisse zugreifen, möglichst in ein und demselben Workflow. Dabei helfen Funktionen wie Mobile Analytics, Embedded Analytics, Dashboard-Erweiterungen und APIs (Application Programming Interfaces, d. h. Programmierschnittstellen). Zudem wird die Cloud für immer mehr Unternehmen zum bevorzugten Speicherort ihrer Daten. Das sorgt dafür, dass auch die Business Intelligence-Anwendungen in die Cloud wandern.

ZOE: Welche Anwendungen sind neben Dashboards am beliebtesten?

Jorgensen: Eine wichtige Rolle kommt der Datenvor- und -aufbereitung zu. Viele Daten lassen sich nicht auf Anhieb analysieren, weil sie schlichtweg das falsche Format haben. Wollen Unternehmen heute abteilungs- und fachübergreifend ihren Datenschatz heben, müssen sie auch die Datenaufbereitung meistern. Was früher mit einem eigenständigen Tool gemacht werden musste, ist heute in die Plattformen gewandert, wo die Daten auch analysiert werden. Dafür haben wir unsere Plattform um Tableau Prep ergänzt. Das visuelle Self-Service-Tool unterstützt Anwender bei der schnellen und einfachen Aufbereitung ihrer Daten.

ZOE: Womit kämpfen Analytics-Einführungsprozesse am meisten?

Jorgensen: Im Zuge von Compliance und Datenschutz-Debatten herrscht in den Chefetagen oft Unsicherheit darüber, wie Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ein rechtskonformer Zugang zu Daten gewährt werden kann. Um das volle Potenzial der Daten auszuschöpfen, ist allerdings ein gewisses Vertrauen in Datenexperten und Mitarbeitenden notwendig. Das impliziert natürlich nicht, dass jede Fachabteilung Zugriff auf alle Daten im Unternehmen bekommen sollte. Im Zuge einer Datenstrategie lassen sich Zugriffsrechte festlegen, die dann die IT-Abteilung zentral verwalten kann. Hier unterstützen Analytics-Lösungen mit einer ausgefeilten Zugriffsrechteverwaltung mit rollenspezifischen Lizenzen.

Eine weitere Herausforderung sehen wir häufig beim technischen und analytischen Know-how der Mitarbeitenden. Laut unserer Umfrage haben rund 40 Prozent der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in deutschen Unternehmen kaum Kenntnisse darin, gewonnene Daten auszuwerten. Selbst für einfachste Auswertungen sind sie auf die Unterstützung von Datenanalyse-Profis angewiesen. Unternehmen, die ihre Daten geschäftsfördernd nutzen wollen, sollten deshalb möglichst viele Fachabteilungen dazu befähigen, auf die für sie relevanten Daten zuzugreifen und sie auch zu analysieren.

ZOE: Welche Anwendungen von Tableau gibt es im Change Management, welche im Innovationsmanagement?

Jorgensen: Wenn Unternehmen BI-Lösungen wie die von Tableau einführen, führt das fast immer zu Change-Prozessen im Unternehmen und verändert die Einstellung zu Innovationen im positiven Sinne. Das intensive Befassen und Austauschen mit Daten fördert das kritische Denken und die Neugier bei jedem einzelnen. Arbeitsweisen ändern sich, denn Mitarbeitende fangen an, vermehrt Fragen zu stellen und verlassen sich nicht mehr nur auf persönliche Meinungen, sondern zunehmend auf datenbasierte Fakten. Bisher als sicher geltende Erkenntnisse können hinterfragt werden. Das führt insgesamt zu einer Kultur der Neugier und erhöhter Innovation.

Ein gutes Beispiel hierfür liefert einer unserer Kunden aus der Luftfahrtbranche, der täglich Terabytes an Daten generiert. Die Implementierung von Tableau vor rund drei Jahren erwies sich als Schlüssel, um schneller mehr geschäftsfördernde Erkenntnisse aus den Unternehmensdaten zu machen. Nun können die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Fachabteilungen ihre Daten mit interaktiven Dashboards selbst auswerten. Und wo man früher auf Auswertungen der IT-Abteilung warten, oder sich auf das Bauchgefühl verlassen musste, sind heute schnelle Entscheidungen auf Basis von Fakten und Echtzeitanalysen möglich.
 

Interviewpartner: Henrik Jorgensen
Country Manager DACH, Eastern Europe & CIS bei Tableau Software

ZOE Ausgabe 3/19
Bei diesem Text handelt es sich um einen Beitrag aus der aktuellen Ausgabe 3 der ZOE, den wir Ihnen hier exklusiv kostenlos zur Verfügung stellen.
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