Der Preis des Vergleichs


Wichtige für den Start eines Teams

In vielen Organisationen werden Aufgabenstellungen regelmäßig an mehrere Teams erteilt  und nicht selten wundert man sich, wie diese Teams untereinander in Beziehung treten. Entweder sie ignorieren einander, oder man hört abwertende Kommentare. Anstatt zu kooperieren herrscht ein Klima des Wettbewerbs, das nur sehr selten positive Auswirkungen auf die Organisation hat, denn manchmal entsteht der Eindruck, dass man sich mehr auf die internen „Gegner“ konzentriert und die Entwicklungen außerhalb der Organisation aus dem Blick verliert.

Die Erzeugung des „Wir“

Zur Erinnerung: Im Kern sind Teams auch Gruppen und im Zuge ihrer Zusammenarbeit lassen sich Phänomene beobachten, die in gruppendynamischen Trainings besonders offensichtlich zu Tage treten. Will man Erkenntnis über diese Phänomene und deren Gründe herausfinden, lohnt sich daher der Blick auf gruppendynamische Trainings. Dort können ähnliche Beobachtungen gemacht werden, die helfen könnten, nützliche Maßnahmen für den Organisationsalltag zu finden.

In der Regel arbeiten im Rahmen eines gruppendynamischen Trainings mehrere Gruppen gleichzeitig aber getrennt voneinander an der Aufgabenstellung „aktiv daran mitzuwirken eine Gruppe zu werden und diesen Prozess auch zu beobachten“.

Zu Beginn sind die Gruppen in erster Linie damit beschäftigt, eine eigene Gruppenidentität zu erzeugen. Man kann diesen Prozess auch die Erzeugung eines „Wir-Gefühls“ nennen, bei dem es darum geht, Gemeinsamkeiten unter den Mitgliedern zu betonen. Diese Aufgabenstellung ist voraussetzungsvoll, denn man muss als Individuum seine eigenen, höchst persönlichen Erwartungen mit anderen in Einklang bringen. Welche Ziele verfolgt man als Einzelperson und wie passen diese zu den Zielen der anderen? Wie agiert man üblicherweise mit anderen und wie will man von anderen behandelt werden?

In ihrem Versuch möglichst rasch „eine Gruppe“ (und somit auch arbeitsfähig) zu werden, versucht man gerade zu Beginn der Zusammenarbeit vornehmlich die Gemeinsamkeiten hervorzuheben. Wer will schon mit langen Diskussionen oder gar einem Konflikt beginnen? Daher wird gerade zu Beginn viel an Gemeinsamkeiten gearbeitet. Das betrifft sowohl inhaltliche Gemeinsamkeiten, als auch die Beziehungen der Gruppenmitglieder untereinander. Keiner soll „mehr“ gelten als andere, es geht vornehmlich um die Erzeugung von Symmetrie innerhalb der Gruppe.

Loyalität wird eingefordert

Das Bedürfnis nach Symmetrie hilft bei der Erzeugung von Zusammenhalt, der die Entstehung als Gruppe fördert. Die Gruppe erfährt sich als Einheit und diese Einheit verstärkt sich durch Grenzziehungen. Man spricht viel öfter vom „Wir“ und meint damit die klare Unterscheidung vom „Rest der Welt“. Es entsteht eine eigene Identität, die zwar zu Beginn noch etwas unsicher erscheint und daher von den Gruppenmitgliedern die regelmäßige Bestätigung einfordert: Ist man „hier“ dabei oder beschäftigt man sich auch noch mit anderen? Individuen sind gut beraten ihrer Gruppe gegenüber loyal zu sein. Man schützt die Gruppe nach außen hin und bestätigt seine Zugehörigkeit zu genau dieser Gruppe.

Dadurch werden erste Zeichen zu Erzeugung von Stabilität und Sicherheit gesetzt.

Abgrenzung zu anderen

Es ist nicht verwunderlich, dass bei der Beobachtung anderer Gruppen die Unterschiede ins Zentrum rücken. Immerhin ist man daran interessiert, seine eigenen Handlungen mit jenen der anderen abzugleichen? Die Frage nach dem „Anderssein“ der anderen ist vorwiegend darauf ausgerichtet, die eigenen „Besonderheiten“ zu betonen. Auf diese Weise gelingt es der Gruppe eine Art von „Selbst-Sicherheit“ zu erzeugen, die das Gefühl von Identität fördert.

So paradox es klingt, erst durch den betonten Blick nach außen gelingt es der Gruppe eine innere Stabilität zu erzeugen. Die Reihen schließen sich und die Grenze wird klarer. Die Unterscheidung zwischen dem „Wir“ und den „Anderen“ wird zum dominanten Kriterium. Um die eigenen Vorzüge hervorzuheben, werden jene der anderen herabgesetzt. Das führt zu überzogener Kritik nach außen, die nicht selten in Geringschätzung mündet.

Der Preis, den die Gruppe dabei jedoch „bezahlt“ liegt in einer geringeren Bereitschaft zu reflektieren. Kein gutes Zeichen für Lernfähigkeit und Entwicklung.

  

(Autor: Gerhard P. Krejci, E-Mail:Krejci@simon-weber.de)


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