Die drei Dimensionen der Autorität

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Autorität erfordert sachliche, soziale und zeitliche Generalisierung | ©contrastwerkstatt/fotolia.com

Wie wir letzte Woche gesehen haben, hat Autorität mit der Möglichkeit Einfluss auszuüben zu tun. Oft wird Autorität fälschlicherweise mit Macht oder Dominanz gleich gesetzt und abgelehnt. Dieses Verständnis scheint jedoch nicht passend zu sein.

Eine Zuschreibung

Angenommen in einer bestimmten Situation wird auf eine bestimmte Art und Weise reagiert, und diese Handlung führt zu einem positiv bewerteten Ergebnis, so wird in einem solchen Fall die sachliche Komponente bestätigt: „In einer bestimmten Situation liefert diese Handlung jenes positive Ergebnis.“ In vielen Fällen wird die Handlung einer bestimmten Person (und ihren Fähigkeiten oder Eigenschaften) zugeschrieben („Er oder sie hat vollkommen richtig reagiert!“). Dadurch wird eine soziale Komponente aktiviert. Werden schließlich die Situationen über einen bestimmten Zeitraum hinweg beobachtet und liefern solche oder ähnliche Handlungen ebenfalls erwünschte oder positive Ergebnisse, so trägt diese zeitliche Komponente der Bildung von Erfahrungen bei.

Reduktion von Unsicherheit

Beobachter werden erwarten (und darauf vertrauen), dass bestimmte Personen in bestimmten Situationen regelmäßig richtig handeln werden. Eine solche generelle Festlegung hilft dabei Unsicherheiten zu minimieren, d.h. es erfolgt eine sachliche, soziale und zeitliche Generalisierung, die im sozialen Leben einer Organisation besonders wichtig wird. Autorität ist in diesem Sinn eine wichtige Zuschreibung, die solange gilt, bis sie durch das Gegenteil widerlegt wurde.

Natürlich kann sich jemand auf Grundlage seiner Position auf Autorität berufen. Diese wird jedoch nur so lange zugeschrieben, solange sich das Ergebnis als richtig bzw. positiv erweist. Trifft der neue Leiter der Abteilung eine bestimmte Entscheidung, so steht eher die Position im Vordergrund. Erweist sich diese und die folgenden Entscheidungen als falsch, so kann er seine Autorität vorwiegend mit Blick auf die soziale und die zeitliche Dimension rechtfertigen: Solange er Chef ist und er die Entscheidung trifft, halten sich die anderen daran. Wirkliche Autorität würde aber auf allen drei Dimensionen wirksam werden.

Verlust von Autorität

Man kann auch durch unbedachte Handlungen die Autorität verlieren, wie folgendes Beispiel veranschaulicht: Helmut war einer der hellsten Köpfe in der Abteilung und seine Beiträge waren immer richtig. Er wurde relativ rasch dieAutorität in der Abteilung. Bei nächster Gelegenheit wird Helmut befördert und folgt seinem Chef auf dessen Posten. Helmut freute sich, wollte aber seinen Kollegen signalisieren, dass er immer noch „der Alte“ wäre und die neue Position ihm sicherlich nicht zu Kopf steigen würde. Daher sah er absolut keinen Grund sein Verhalten zu verändern.

Üblicherweise gingen die Mitarbeiter jeden ersten Freitag im Monat gemeinsam aus und vergnügten sich in verschiedenen Bierlokalen. Helmut hatte nie verstanden, warum sein Chef sich nie daran beteiligte, daher war es ihm wichtig ein klares Zeichen zu setzen und er ging mit. Allerdings hatte Helmut immer schon die Eigenschaft „ein wenig über die Stränge zu schlagen“ und der Abend endete nicht selten damit, dass er mit nacktem Oberkörper, sein Hemd über dem Kopf schwingend und manchmal auch auf einem Tisch stehend laut mitsang.

So auch diesmal, allerdings mit einem unerwünschten Nebeneffekt: die Mitarbeiter genierten sich regelrecht für ihre neue Führungskraft. Immerhin waren auch Kollegen aus anderen Abteilungen und sogar aus anderen Organisationen in dem Pub und beobachteten amüsiert Helmuts Treiben. Seine Mitarbeiter achteten darauf, dass sie die Feier ausklingen ließen und Helmut dezent nach Hause brachten. Da sich solche Situationen des Öfteren ergaben, litt Helmuts Autorität die Abteilung zu führen, denn Autorität, die nur auf Basis sachlicher und zeitlicher Dimension gestützt waren, sind instabil und gefährdet.

Wie interessant …

Diese Argumente sollen die einleitende Argumentation unterstützen: Autorität hat wenig mit dem umgangssprachlichen Begriffen wie Dominanz oder Macht alleine zu tun. Sie muss sachlich, sozial und zeitlich generalisierbar sein. Mit anderen Worten: Wer seine Autorität aufrechterhalten will, muss alle drei Ebenen sehr genau beachten.

Besonders interessant ist übrigens, dass Autorität als wichtige Voraussetzung für Entscheidungen in Organisationen selten thematisiert wird. Und wenn, dann versucht man die Diskussionen darüber eher zu vermeiden, als sie offen zu führen. Schade eigentlich …

 

Zur Nachlese:

  • Luhmann, Niklas (2013): „Macht im System“. Berlin: suhrkamp taschenbuch wissenschaft.

 

(Autor: Gerhard P. Krejci, E-Mail: Krejci@simon-weber.de)


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