Die Rolle – ein Bündel an Erwartungen


Produktive Rollengestaltung ist wichtig | © Hyejin Kang / 123RF.com

Wie werden Menschen in Organisationen wirksam? – Diese Frage rückt neuerdings  mit Blick auf neue Formen des Organisierens in den Vordergrund. Ein wichtiges Konzept stellt dabei jenes der Rolle dar.  Das Thema selbst wurde bislang üblicherweise im Zusammenhang mit der Führungsrolle bearbeitet.

Die Ausgangslage

In aktuell diskutierten Konzepten (wie Scrum, Agilität, Holacracy etc.) werden  Rollendefinitionen aber auf allen Ebenen einer Organisation ins Auge gefasst. Dies erfolgt allerdings leider oftmals zu normativ im Sinn von „diese Rolle ist verantwortlich für xyz“ oder „nur die Rolle des ABC ist zuständig für“. Daher wollen wir uns im Folgenden näher mit Rollendefinitionen befassen.

Doch bevor wir tiefer in das Thema einsteigen, zunächst ein paar definitorische Grundlagen: Grundsätzlich gibt die Rolle darüber Auskunft, welche Kommunikationsbeiträge in welcher Form von wem zu erwarten sind. Es geht um Erwartungen, die Kommunikationen in bestimmte Bahnen lenken und auf die andere Kommunikationsbeiträge leichter anknüpfen können – eben weil bestimmtes erwartet wird.

Role Taking

Die Eltern (aber auch Schulleitungen, Gesetzgeber und andere, die Interesse daran haben, dass Kinder bestimmte Fähigkeiten erlernen) erwarten von einem Lehrer, dass er ihren Kindern mit seinem pädagogischen Konzept das Lesen und Schreiben vermittelt. Die Geschäftsleitung (eventuell auch ihre Mitarbeiterinnen, sowie andere Führungskräfte, etc. ) erwartet sich von einer Chefin, dass sie bestimmte Entscheidungen trifft, so dass man im Team weiterarbeiten kann, ohne immer wieder auf grundsätzliche Fragen zurückgeworfen zu werden. Erwartungen sind somit zum einen Teil ein soziales Produkt, das auf Erfahrungen, Hoffnungen, Meinungen, etc. basiert. Diese Erwartungen anderer zu übernehmen, kann man auch als „Role Taking“ beschreiben. Allerdings sind die Betroffnen auch in der Lage darüber zu entscheiden, inwieweit sie die an sie gestellten Erwartungen akzeptieren und auch erfüllen.

Role Making

Denn auch die von den verschiedensten Erwartungen ihrer Umwelt betroffenen Akteure haben ihre eigenen Vorstellungen darüber, wie sie selbst ihr Tun gestalten. Der Lehrer könnte die Überzeugung haben, dass Frontalunterricht für das Lernen eher hinderlich ist, daher möchte er viel lieber die Schüler dazu anregen gemeinsam in kleinen Gruppen zu lernen. Die Chefin könnte der Meinung sein, dass ihre Mitarbeiter auch an strategischen Fragestellungen mitentscheiden sollten, denn immerhin wären sie Experten auf  ihren Gebieten und würden die Umwelt der Abteilung viel besser einschätzen können als sie. Eine solche Gestaltung der eigenen Rolle, das „Role Making“ kann mitunter zu Unklarheiten und Konfusionen, aber durchaus auch zu Widersprüchen führen.

Das Bündel an Erwartungen

Wir haben es also mit einer Bündelung von Erwartungshaltungen zu tun, einer Mischung als Erwartungen verschiedenster Interessensgruppen („Stakeholder“) und der eigenen Erwartungen an die Gestaltung der Rolle. Daraus ergeben sich Problemstellungen, an denen unbedingt gearbeitet werden sollte.

 

Zur Nachlese:

  • Sehr zu empfehlen ist die neue Ausgabe der ZOE zum Thema unter dem Titel „Von der Rolle. Wenn aus Person Funktion wird.“ 

(Autor: Gerhard P. Krejci, E-Mail: Krejci@simon-weber.de)


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