Die Teamklausur als Möglichkeit am Sinn zu arbeiten

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Sinn über Teams vermitteln | ©Robert Kneschke/fotolia.com

Oftmals werden populäre Management-Themen wie ein „Mission-Statement“ oder eine „Unternehmensvision“ zur Sinnvermittlung innerhalb von Organisationen herangezogen. Ob diese Vorgaben aber in der Organisation auch tatsächlich umgesetzt und gelebt werden, steht auf einem anderen Blatt.

Es mögen zwar alle Mitglieder den Zweck und die Ziele der Organisation kennen, aber ob allen der Hintergrund klar ist oder ob dies alles wirklich „Sinn“ macht, ist nicht immer so sicher. Wie schaffen es Organisationen, dass sich ihre Mitglieder mit ihrem Tun kritisch auseinandersetzen? Eine Möglichkeit wäre die Arbeit auf Teamebene.

Die Teamklausur als Event?

Üblicherweise werden Workshops von Führungskräften in der gut gemeinten (und nicht von der Hand zu weisenden) Absicht organisiert, „für das Team etwas zu machen“. Es wird eine spezielle Veranstaltung außerhalb des Firmengeländes durchgeführt und von externen Moderatoren begleitet, um ein wenig mehr Schwung in das Team zu bekommen. Es werden Übungen ausgeführt, die darauf abzielen die Kommunikation im Team zu verbessern, oder Zusammenhalt und Vertrauen zwischen den Teammitgliedern zu stärken, etc. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn in vielen Situationen mag dies sehr sinnvoll sein. Allerdings haben solche Veranstaltungen nicht selten „Event-Charakter“ und zeigen meist nur kurzfristig Wirkung.

Tatsächlich bietet sich die Teamklausur sehr gut an, um Sinn zu vermitteln. Ob dies nun den Sinn der Organisation, der Abteilung, des Teams oder überhaupt der eigenen Aufgabenstellung betrifft, ist eine Frage der Zielsetzung und der Gestaltung der Klausur. Sie hat jedoch zwei wesentliche Vorteile und zwar zeitlicher und sozialer Natur.

Unterschiedliche Zeitbegriffe berücksichtigen

Die Gelegenheiten gemeinsam im Team zu arbeiten, sind im Organisationsalltag sehr streng zeitlich limitiert. Effizienz ist das oberste Gebot und dementsprechend werden Meetings gestaltet: sie haben eine klare Zielsetzung, eine definierte Agenda und schließlich auch einen ziemlich genauen Zeitplan. Solche Treffen dauern nur in Ausnahmefällen länger als eine Stunde, manche sogar nur 50 Minuten, denn man braucht ein wenig Zeit, um zur nächsten Besprechung zu gehen. Zeit wird als Ressource betrachtet, die möglichst gut geplant werden muss. Teammeetings sind im Arbeitsalltag von linearen Abläufen geprägt, es herrscht ein technomorphes Zeitverständnis vor (Heintel 1999).

Will man allerdings gemeinsam darüber nachdenken und reflektieren, wie das Verhältnis zwischen Aktuellem und Möglichem ist, braucht man unweigerlich mehr Zeit:

  • Wie arbeiten wir als Team zusammen und wie könnten wir die Zusammenarbeit verbessern?
  • Wie zufrieden sind wir mit den getroffenen Entscheidungen und welche zukünftigen Anforderungen kommen auf uns zu?
  • Wie sehr erfüllen wir die Erwartungen unserer (internen oder externen) Kunden und welche zusätzlichen Möglichkeiten sehen wir?

Solche und ähnliche Fragen erfordern eine andere Zeitstruktur und können nicht über eine organisierte Agenda punktuell abgearbeitet werden. Jedes Team braucht, je nach Situation, dafür unterschiedlich lange. Die Berücksichtigung einer gewissen Eigenzeitlichkeit des Teams bedeutet, dass man ein soziomorphes Zeitverständnis einbringt (Heintel 2001). Und dafür eignet sich ein Teamworkshop hervorragend, insbesondere wenn er zweitägig geplant ist und der erste Tag nicht zu straff zeitlich begrenzt ist.

Von formell auf informell umschalten

Daraus ergibt sich der zweite Aspekt, der für eine Teamklausur spricht, nämlich jener, der auf sozialer Ebene der Kommunikation wirkt. Der Arbeitsalltag wird von formellen Abläufen dominiert. Klar definierte Prozesse bestimmen Kommunikationsabläufe und somit die jeweiligen Ansprechpartner bereits im Vorfeld. Manche Kollegen wird man nur zufällig beim Kaffeeautomaten oder im Speisesaal treffen. Auch Teammeetings sind – wie oben erwähnt – oftmals nicht nur zeitlich klar gegliedert, sondern auch die Gesprächspartner sind klar vordefiniert. Alles orientiert sich an sachlichen Fragestellungen und die formelle Kommunikation ist im Vordergrund.

Vieles benötigt allerdings auch informelle Kommunikationen und die Teamklausur kann dafür eine organisierte Plattform bieten. Es wird gleichsam formell das informelle definiert, indem die Mitarbeiter Gelegenheit zum gemeinsamen Reflektieren erhalten, oder während längerer Pausen Gesprächsmöglichkeiten geboten werden.

Teamklausur betont Eigenzeitlichkeit und informelle Kommunikation

Sinnvollerweise sollte eine Teamklausur großzügig geplant werden, um dem technomorphen Arbeitsalltag ein soziomorphes Gegengewicht zu bieten und um neben formeller auch informelle Kommunikation zu fördern. Ein solcher Rahmen ermöglicht es hervorragend, gemeinsam über die eigenen Aufgaben nachzudenken und zu reflektieren. Es können Widersprüche diskutiert, komplexe Sachverhalte bearbeitet und gemeinsame Entscheidungen getroffen werden. Womit gleichzeitig (und manchmal unmerklich) Sinn vermittelt werden kann.

 

Zur Nachlese:

  • Heintel, P. (1999): Innehalten. Gegen die Beschleunigung – für eine andere Zeitkultur. Freiburg im Breisgau: Herder
  • Heintel, P. (2001): Die Zeit von Sozialsystemen. In: Gruppendynamik und Organisationsberatung, 32(3), S. 245-258.

(Autor: Gerhard P. Krejci, E-Mail: Krejci@simon-weber.de)


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