Ein praktisches Beispiel zur Planung


Die Zukunft wird jedenfalls anders sein als die Vergangenheit. | ©Olivier Le Moal/fotolia.com

Das Schöne an einem Jahresbeginn ist, dass man sich überlegen kann, wie man die nächsten zwölf Monate gestalten möchte. Was wird das Jahr bringen? Wohin will man sich entwickeln? Was möchte man erreichen? Hinter solchen Fragen steckt das Wort „Planung“ und warum soll man sich eine solche als Autor dieser Kolumne nicht vornehmen?

Unvorhersehbarkeit und Unsicherheit

Wir haben es bei Planung mit einer Aktivität der Gegenwart zu tun, bei der sowohl Vergangenheit, als auch Zukunft kombiniert werden. Genau genommen geht es darum, die in der Gegenwart konstruierte Vergangenheit („gegenwärtige Vergangenheit“) mit einer in der Gegenwart konstruierten Zukunft („gegenwärtige Zukunft“) abzugleichen. Man greift auf vergangene Beobachtungen und Erfahrungen zurück und versucht erwartbare Beobachtungen und mögliche Erfahrungen vorwegzunehmen (Simon 2018).

Dabei sollte man nicht vergessen, dass Zukunft prinzipiell nicht vorhersehbar ist und diese Tatsache oft Unsicherheit verursacht. Sich auf Planung einzulassen, bedeutet den Versuch einzugehen, ein gewisses Maß an Sicherheit zu erlangen.

Planung zur Reduktion von Unsicherheit

In der Komplexität der Planungen sucht man eine Art Sicherheit, die die Zukunft nicht bieten kann.“ (Luhmann 2000, S. 231). Jedoch muss man sich vor Augen halten, dass es bei einem Versuch bleibt, der immer auch anders ausgehen kann, als man es sich vorgenommen hat (übrigens ein Beispiel für Kontingenz). Daher empfiehlt es sich, einen Plan niemals als etwas Fixes oder Einschränkendes zu verstehen, sondern eher spielerisch und mit Augenzwinkern damit umzugehen. Planung ist kontrollierter Irrtum.

Wir merken uns, dass wir es im Wesentlichen mit einer „Beruhigungspille“ der Gegenwart zu tun haben, denn immerhin können mit einem Plan weitere Entscheidungen getroffen werden. Für Organisationen ist das eine sehr wichtige Aktivität, denn Organisationen sind getragen von Entscheidungen (Luhmann 2000). Für einen Autor bedeutet dies, dass er durch Planung ein wenig Orientierung und Zuversicht für weitere Themen, über die er schreiben wird, gewinnen könnte.

Anpassungen an Umwelt

Ein planendes System muss sich selbst in Evolution beobachten können.“ (Luhmann 2000, S. 356). Planung betrachten wir als eine wichtige Komponente für die Evolution eines Systems und diese ist von den jeweiligen Umweltbedingungen abhängig. Ob sich diese Umwelt inkrementell (also kaum merklich) oder abrupt verändert ist eine sekundäre Frage. Viel wichtiger ist die Frage, wie man als System diese Umwelt beobachtet, wie man seine internen Strukturen rasch an externe Bedingungen anpassen kann.

Im Fall einer Kolumne wie dieser hätten wir es mit dem Autor als psychisches System zu tun. Wenn wir von seiner Umwelt sprechen, dann meinen wir Organisationen, Leserinnen, andere Autorinnen, den Verlag, etc. Die sich veränderbaren Umweltbedingungen wie z.B. Themen, Diskussionen, Entwicklungen würden Anpassungen erfordern an seine internen Strukturen wie Gedanken, Interessen, Beobachtungsraster, etc.

Der Verfasser dieser Kolumne wird sich Fragen stellen wie beispielsweise: Welche Themen beschäftigen Organisationen und wie wird dies von welchen Beobachterinnen beobachtet? Was wird im Umfeld der Kolumne diskutiert (und was wird eventuell übersehen?) Was sind meine Beobachtungskategorien und welche Ideen habe ich dazu? Welche alternativen Sichtweisen könnte man Leserinnen anbieten?

Zu viel Planung ist aber auch nicht gut

Planung ist weitgehend Bearbeitung der Memoiren des Systems“ (Luhmann 1992, S. 206). Wer immer in der Gegenwart einen Plan erstellt, wird sich selbst die Frage stellen, wie zukünftig darüber kommuniziert wird. Die Erinnerung über einen Plan (bzw. was in der Zukunft zum Plan in Kommunikation kommt) kann den Verfasser des Planes selbst betreffen, aber auch jene, die über den Plan Auskunft erhielten (z.B. welche Erwartungen sie hatten und wie sich diese erfüllten). Es geht also um die Beobachtung durch Beobachter – und dabei spielen (wie so oft, wenn es um Wirklichkeiten geht) nicht nur Beschreibungen eine Rolle, sondern auch Erklärungen und Bewertungen. Was wurde geplant? Warum wurde das geplante genauso bzw. gar nicht realisiert? Wie ist das zu bewerten? Gut oder schlecht? Enttäuschend oder lehrreich?

Es wird erkennbar, dass jeder (auch der Autor einer solchen Kolumne) vorsichtig mit dem Planen sein wird. Die Prämisse für die Planung seiner nächsten Themen lautet daher: An was für eine Vergangenheit möchte ich in Zukunft erinnert werden?

Der Plan dieser Kolumne

Nun aber zu den Vorhaben dieser Kolumne. Weiterhin gilt das Organisationsbeobachten und zwar im zweideutigen Sinn. Was bewegt Organisationen und wie bewegen sich Organisationen? Welche Phänomene der Vergangenheit führen zu den je aktuellen Themen der Gegenwart? Welche Auswirkungen haben diese Phänomene und zwar im zweifachen Sinn der Funktionen und der Dysfunktionen? Anders gefragt: was wird bezweckt und welche Konsequenzen handelt man sich damit ein?

Manche Themen werden spontan einzeln behandelt, andere über mehrere Ausgaben programmatisch bearbeitet werden. Bei der Entscheidung, worüber man schreibt, wäre es ratsam auf Kontingenz („Es kann immer anders kommen“) reagieren zu können und dabei dem ethischen Imperativ zu folgen: „Act always as to increase the number of choices“ (Heinz von Foerster 1993).

Solche Festlegungen müssen eigentlich zur Planung reichen.

 

Zur Nachlese:

  • Luhmann, Niklas (2000): „Organisation und Entscheidung“. Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.
  • Foerster v., Heinz (1993): „Wissen und Gewissen. Der Versuch einer Brücke “, Frankfurt: Suhrkamp.
  • Simon, Fritz B. (2018): „Formen. Zur Kopplung von Organismus, Psyche und sozialen Systemen“, Heidelberg: Carl-Auer Verlag.
  • Luhmann, Niklas (1992) „Beobachtungen der Moderne“, Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.

 

(Autor: Gerhard P. Krejci, E-Mail: Krejci@simon-weber.de)


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