Erforderliche Kompetenzen für die Digitalisierung


Digitalisierung erfordert Kompetenzen auf individueller und auf Teamebene | ©Prostock-studio/fotolia.com

Der Trend zur Digitalisierung bringt neue Gefahren mit sich, auf die sich Organisationen vermehrt einstellen müssen. Sogenannte „Hacker“ versuchen sich Zugang in die Computersysteme zu verschaffen, um dort Daten zu manipulieren, zu stehlen oder das gesamte System lahmzulegen. Erst vor kurzem ist ein Fall veröffentlicht worden, bei dem international tätige Firmen von einer „Schadsoftware“ regelrecht abgeschaltet wurden.

Nichts geht mehr

Zunächst wurden einige kleine Signale wahrgenommen: einzelne Laptops funktionierten nicht mehr einwandfrei. Manche Mitarbeiter waren unsicher, ob sie selbst durch fehlerhaften Umgang mit dem Gerät die Fehlfunktionen verursacht hatten. Andere dachten, man müsse nur mal neu starten und dann werde es schon wieder klappen. Selbst als mehrere Kollegen – eher beiläufig in der Kaffeeküche – von ähnlichen Problemen berichteten, wurde noch niemand misstrauisch.

Erst als die IT-Abteilung von mehreren Benutzern über den Ausfall ihrer Geräte informiert wurde und auffällige Abweichungen bei den üblichen Daten feststellte, wurde erkannt, dass es sich um ein umfassendes Problem handelte. Hier soll nicht darüber spekuliert werden, welche technischen Maßnahmen dies begünstigte oder was die Situation überhaupt verhindert hätte. Vielmehr interessiert,

Medienwechsel erforderlich

IT-Techniker werden zustimmen, dass ihre Materie oft äußerst ungerecht behandelt wird. Man erhält in der IT selten Lob, sondern eher Kritik. Die Funktionalität der Systeme ist eine Selbstverständlichkeit, aber sobald ein Fehler auftritt, wird darüber heftig debattiert. Das verwundert nicht, denn fällt der Computer als zentrales Medium der Kommunikation aus, wird das „Gelingen von Kommunikation“  schwieriger.

In aller Konsequenz muss auf andere Medien, wie beispielsweise Sprache oder Schrift, ausgewichen werden und die Möglichkeit der Verarbeitung komplexer Sachverhalte wird erheblich eingeschränkt. Man muss sich bei allen notwendigen Entscheidungen auf wenige Informationen konzentrieren und das Tempo wird merkbar verringert. Komplexität kann weder reduziert noch vermieden werden (Luhmann 1978), sondern muss mit entsprechend komplexen Mitteln bearbeitet werden (Ashby 1956).

Bei aller Digitalisierung die Teamarbeit nicht vergessen

Solche Situationen erfordern, dass die Mitarbeiter besondere Kompetenzen an den Tag legen, indem sie ihr Kommunikationsverhalten ändern und von formelle auf informelle Strukturen umschalten (Luhmann 1964). Die vordefinierten Prozesse, die meist durch computergestützte Abläufe geprägt sind, müssen ersetzt werden. Sachfragen stehen zwar noch immer im Vordergrund, aber die Bedeutung der „Sozialdimension in der Kommunikation“ (Luhmann 1984) wird zu einem besonders kritischen Erfolgsfaktor: Die Fähigkeit im Team zu arbeiten rückt noch mehr in den Mittelpunkt.

Die Führungskraft eines betroffenen Unternehmens bestätigte, dass die Situation insbesondere durch die in der Vergangenheit intensiv gepflegte „Teamkultur“ im Unternehmen bewältigt werden konnte. Man half sich gegenseitig und es wurden unkomplizierte Lösungen erarbeitet. Die Mitarbeiter konnten auf oft erprobte und daher äußerst stabile informelle Ebenen der Kommunikation ausweichen.

… und von HROs lernen

Da Computer – insbesondere mit Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung – mittlerweile das wohl zentralste Werkzeug im beruflichen Alltag darstellt, hat dies Konsequenzen: Jede Organisation wird zu einem Unterfangen, das höchste Zuverlässigkeit erfordert, also zu einem „High Reliability Organizing“. Alle Mitarbeiter müssen dahin gehend sensibilisiert werden, dass sie erhöhte Aufmerksamkeit hinsichtlich überraschender Ereignisse an den Tag legen. Schon kleinste Abweichungen sollten registriert und gemeldet werden (Weick & Sutcliffe 2015).

Betonung der Fähigkeit zur Teamarbeit und hohe Aufmerksamkeit werden gerade in Zeiten der Digitalisierung zu besonders wichtigen Kompetenzen für alle Mitglieder in Organisationen.

Weitere Beobachtungen dazu nächste Woche …

 

Zur Nachlese:

  • Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme, Frankfurt am Main: Suhrkamp.
  • Luhmann, Niklas (1978): Komplexität. In Türk, K. (Hrsg.): Handlungssysteme. S. 12-37, Opladen: Westdeutscher Verlag.
  • Luhmann, N. (1964): Funktion und Folgen formaler Organisation. 5. Aufl. Berlin: Duncker & Humblot.
  • Ashby, W. Ross (1956): An Introduction to Cybernetics, Chapman & Hall, London, 1956. Internet (1999):
  • Weick, K. E. & Sutcliffe, K. M. (2015): Managing the Unexpected: Sustained Performance in a Complex World, 2nd Edition. New Jersey: Wiley.

 

(Autor: Gerhard P. Krejci, E-Mail: Krejci@simon-weber.de)


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