Rollenabgleich


Herausforderungen bei der Rollenklärung | © Gustavo Frazao / 123RF.com

Wer eine neue Rolle übernimmt wird zu Beginn vermutlich darüber nachdenken, welche Erwartungen an diese Rolle herangetragen werden. Der Versuch, das eigene Rollenverständnis mit den Erwartungen anderer abzugleichen, führt mitunter zu einigen Herausforderungen, über die es wert wäre schon im Vorfeld nachzudenken.

Der Abgleich der Erwartungen

Es reicht nicht, sich nur seine eigenen Vorstellungen darüber zu machen, sondern konkret auch in eine Art „Aushandlungsprozess“ mit den jeweiligen Stakeholdern zu gehen. Das kann einerseits informell erfolgen, indem man versucht durch „Versuch und Irrtum“ Handlungen zu setzen und die Reaktionen des Umfelds prüft. Klarer und offener wäre es, wenn man im Rahmen eines gemeinsamen Gespräches konkret die jeweiligen Erwartungen diskutiert.

Im Idealfall passen diese Erwartungen zusammen, d.h. wenn sich beide genau das gleiche von einander erwarten, dann liegt durchaus eine Rollenstimmigkeit vor. Das gibt Sicherheit und Klarheit und im Zweifelsfall kann man sich darauf auch beziehen.

Überlastungen und Widersprüche

Manchmal werden aber zu viele Erwartungen an eine bestimmte Rolle herangetragen. Der Grund für eine solche Rollenüberlastung kann sowohl bei der Person liegen, die sich auf eine bestimmte Rolle vorbereitet  und dabei besondere Ambitionen an den Tag legt („Jetzt mach ich das mal wirklich gut und ausführlich“), als auch bei den anderen, die neue Rolleninhaber gern auch mal ein wenig herausfordern möchten („Also, von einer neuen Führungskraft kann man wirklich mehr erwarten, finden Sie nicht?“).

Neben diesem quantitativen Aspekt kann es auch vorkommen, dass zu viele widersprechende Erwartungen zu keiner Einigung führen. In manchen Fällen, wie beispielsweise in Matrix-Organisationen oder im Fall von Projektmanagement, ist dies teilweise durchaus erwünscht („Regionale Fragen sind prioritär“ vs. „Im Zweifelsfall orientieren Sie sich an den Zielen der Zentrale“). Auf jeden Fall sollten Rollenwidersprüche sichtbar gemacht und Vereinbarungen getroffen bzw. Alternativen besprochen werden.

Konfusionen und Unklarheiten

Immer öfter kann man in Organisationen Rollenkonfusionen beobachten. Beispielsweise könnte eine Führungskraft einer wichtigen Abteilung in einem Projekt als Mitarbeiter tätig sein. Ist man als Mitarbeiter auch Entscheider? Inwieweit kann man als „einfaches“  Teammitglied Vorschläge machen, ohne sich dabei den Vorwurf einzuhandeln die Autorität der Projektleitung zu untergraben?

Bei all diesen Herausforderungen ist wohl die Unklarheit über die eigene Rolle die schwerwiegendste. Wer nicht weiß, welche Anforderungen (d.h. die Erwartungen aller) an die eigene Rolle gestellt werden, wird mit auf Grund dieser Rollenunklarheit nicht wirklich wirksam werden.

Zusammengefasst wird hoffentlich erkennbar, dass man Rollen klar und offen diskutieren sollte. Je mehr man auch problematische Fragestellungen thematisiert, desto leichter fällt die Zusammenarbeit in der Praxis.

 

Anmerkung: ich danke meinen Kolleginnen Elisabeth Raggam und Maria O’Shea für inhaltliche Anregungen, die ich hier zusammengefasst habe.

 

Zur Nachlese:

  • Auch diese Woche möchte ich auf die neue Ausgabe der ZOE mit dem Titel „Von der Rolle. Wenn aus Person Funktion wird“ hinweisen.

 

(Autor: Gerhard P. Krejci, E-Mail: Krejci@simon-weber.de)


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