Warum Hierarchie für Entscheidungen wichtig ist


Hierarchie definiert und sichert Rahmenbedingungen

Zweifellos beobachten wir zurzeit eine verstärkte Tendenz zu selbstgesteuerter, selbstgeführter Teamarbeit. Gleichzeitig ist auch eine Art Abwehrreflex gegen hierarchische Strukturen zu beobachten, denn Hierarchie engt ein, reglementiert zu sehr. Teams sind klug genug um Entscheidungen zu treffen, geraten aber oft auch an Grenzen und brauchen Unterstützung. Dabei könnte die Hierarchie auch gut genutzt werden.

Teamarbeit ist zweckorientiert

Wenn wir von Teamarbeit sprechen, müssen wir gleichzeitig auch von Organisation sprechen, denn Teamarbeit ist kein Selbstzweck. Das liegt insbesondere daran, dass Organisationen Teams zur Bewältigung spezieller Aufgaben einrichten und beauftragen. Und Organisationen machen das nicht aus „philantropischen“, sondern aus rein funktionalen Gründen: Sie verfolgen Ziele und sind zweckorientiert. Vieles lässt sich in kleineren, oft wendigeren Einheiten eben besser bewältigen, als im großen, mitunter auch schwerfälligen Gesamtsystem.

Ein besonderer Vorteil von Teamarbeit liegt im Umstand, dass kleinere Einheiten leichter unter Anwesenheitsbedingungen kommunizieren können. Kommunikation kann direkter und rascher ablaufen. Dadurch, dass verschiedene Ideen, Meinungen und Sichtweisen mit relativ wenigen Beschränkungen ausgetauscht werden können, ist ein großes Maß an Informationen gewährleistet. Dies liefert gute Grundlagen für Entscheidungsfindungen und wirkt sich auf die Qualität von Entscheidungen aus, denn Entscheidungen, die im Team getroffen werden, sind potenziell von höherer Qualität als wenn Einzelpersonen entscheiden würden. Anderseits kommen die Teammitglieder im Zuge von Entscheidungsfindungen mitunter in prekäre Situationen.

Ein grundsätzliches Problem der Entscheidungsfindung in Teams tritt bereits bei deren Entstehung in Erscheinung. Üblicherweise werden solche sozialen Einheiten nur vorübergehend gebildet und nach Erreichung des Ziels wieder aufgelöst – wie zum Beispiel Projektteams. Die Mitglieder werden für kurze Zeit aus ihren angestammten Umgebungen (z.B. Abteilungen) in ein neues System entsendet und müssen sich in zwei Richtungen zurechtfinden: einerseits nach innen und anderseits nach außen.

Klärungen in zwei Richtungen

Intern ist es zunächst wichtig die anderen Teammitglieder kennenzulernen, denn man muss mit den Erwartungen der anderen Mitspieler vertraut werden und Fragen rund um die Art der Zusammenarbeit sollten geklärt werden: Wer ist dabei? Welche persönlichen Ziele und Karriereerwartungen haben die einzelnen Teammitglieder an die Arbeit im Team? Wie soll gearbeitet, kommuniziert und schließlich entschieden werden?

Selten wird die Art und Weise, wie Entscheidungen innerhalb des Teams getroffen werden, thematisiert. Vor allem die Frage, wie man unterschiedliche Meinungen bearbeitet, ist dabei essentiell. Wie kann sichergestellt werden, dass man in einer vertrauensvollen und berechenbaren Umgebung seine eigenen Gedanken und Sichtweisen einbringen kann? Wann ist Einstimmigkeit (Konsens) erforderlich? Wie verfährt das Team mit Pattsituationen und Veto einzelner? (Übrigens: Diese Fragen sollten zwar zu Beginn der Teamarbeit bearbeitet werden, bieten sich selbstverständlich auch für regelmäßige Reflexionen hinsichtlich der Zusammenarbeit an.)

Ein Team muss aber auch seine Verhältnisse nach außen klären, d.h. in Richtung der Organisation, denn immerhin wurde das Team durch sie begründet. Die Organisation hat bestimmte Erwartungen an ein solches Sub-System und diese beschränken sich nicht nur auf Zieldefinitionen und zeitliche Verfügbarkeiten. Selten wird über Rahmenbedingungen mit Blick auf Entscheidungen nachgedacht. Soll das Team einen Vorschlag ausarbeiten oder gleich entscheiden und die Umsetzung der Entscheidung sicherstellen? Wer entscheidet, wenn sich das Team nicht entscheiden kann? Wie können Bedenken, die im Zuge von teaminternen Diskussionen formuliert wurden, anderen Stakeholdern in der Organisation klar gemacht werden? Hat das Team ausreichende  Ressourcen in Form von zeitlichen und örtlichen Möglichkeiten zur Diskussion von Entscheidungsfragen? Und wie steht es um die Entwicklung entsprechender Kompetenzen von Mitarbeitern Entscheidungen zu treffen bzw. über welche die Erfahrungen verfügen die Teammitglieder mit Dynamiken in Entscheidungsfindungsprozessen? (Übrigens: letzteres lässt sich in gruppendynamischen Trainings ausgezeichnet erproben und erlernen).

Die Rahmenbedingungen setzen

An Hand dieser Fragestellungen wird erkennbar, dass nicht wichtig ist „ob“ in Teams entschieden wird, sondern „wie“ solche Entscheidungen getroffen werden sollen. Dazu sind die oben angedeuteten Rahmenbedingungen explizit im Vorfeld zu klären und hinsichtlich sachlicher, sozialer und zeitlicher Fragestellungen zu prüfen. Die Definition solcher Entscheidungsprämissen und vor allem deren Sicherstellung wäre eine wichtige Aufgabe, die in einer „heiligen Ordnung“ (so die griechische Übersetzung für Hierarchie) zum Ausdruck kommt. Und nicht ihre Abschaffung.


Top