Wege in die Beratung


Anforderungen an zukünftige BeraterInnen

In Anbetracht der zahlreichen Ausbildungsangebote scheint es genug Nachfrage für den Einstieg in die Beratung zu geben. Die verschiedenen Lehrgänge klingen interessant und gut durchdacht. Allerdings stellt sich auf dem Weg in die Beratung die konkrete Frage: Wie geht man tatsächlich am besten vor? Dieser Frage könnte man von drei Seiten her bearbeiten: der persönlichen Perspektive, der Marktsicht und schließlich hinsichtlich der zukünftigen Arbeitsweisen. Zunächst wollen wir die Fragestellungen rund um die Person untersuchen.

Kompetenzen

Grundsätzlich ist es hilfreich, über fachliche Kompetenzen in einem bestimmten Gebiet zu verfügen. Wer sich über lange Zeit mit einem bestimmten Thema intensiv beschäftigt hat und dieses aus der Sicht von Betroffenen selbst erlebt hat, verfügt nicht nur über umfangreiches Wissen, sondern kann sich besonders gut in die Lage der Klienten versetzen.

Aber neben der fachlichen Frage steht auch die Frage nach der Gestaltung von Prozessen zur Umsetzung der Aufträge im Vordergrund: Wann mache ich einen Workshop? Wie gestalte ich den Ablauf? Was passiert, wenn Konflikte entstehen? Wie können mehrere Personen an einem Thema arbeiten, so dass die Erreichung des Auftragszieles wahrscheinlicher wird? Und wer soll dabei mitwirken? Prozessgestaltung beschäftigt sich zu einem Großteil mit sozialen Fragestellungen.

Darüber hinaus sollte man auch wissen, wie die jeweilige zu beratenden Organisationen „ticken“. Welche üblichen Muster und Strukturen sind zu erwarten? Wie können auf der Ebene der Organisation sinnvolle und vor allem langfristige Veränderungen vorgenommen werden? Welche generelle „Logik“ ist erkennbar? Das bedeutet, man sollte verstehen, wie Organisationen generell und das beratene System im speziellen funktionieren.

Erfahrungen

Eine weitere, nicht zu unterschätzende Voraussetzung für den Einstieg in das Geschäft der Beratung ist die praktische Erfahrung, die man im Rahmen bestimmter Tätigkeiten und in einer bestimmten Branche gemacht hat. Wenn Berater meinen, sie müssten sich mit Beginn ihrer Laufbahn neu erfinden oder vollkommen neues Terrain betreten, dann würden sie wichtiges Humankapital sinnlos vernichten. Einschlägige professionelle Erfahrungen können insofern die ersten Schritte ins Beratungsleben erleichtern, da sie (gleichsam übrigens wie Fachwissen) hohe Sicherheit in komplexen und unsicheren Situationen bieten.

Neben der professionellen Erfahrung spielt die Auseinandersetzung mit den eigenen Sichtweisen, Mustern, Vorlieben, Gedanken etc. eine wichtige Rolle. Wer sich und seine Wirksamkeit nach außen hin gut einschätzen kann, findet sich leichter mit den Unabwägbarkeiten eines Beratungsprozesses zurecht. Eine solche „Ich“-Stärke sollte über einen längeren Zeitraum gewonnen worden sein.

Methoden

Das Werkzeug der Berater setzt sich aus einem Mix mehrerer Fähigkeiten und Fertigkeiten zusammen. Das betrifft beispielsweise das Verständnis über die Gestaltung von Beratungsprozessen, das Designs von Workshops, die Leitung von Steuerung von Gesprächen mit mehreren Personen, das Erkennen gruppendynamischer Phänomene etc. Manchmal sind auch didaktische Grundkenntnisse erforderlich, wenn zum Beispiel in einem Workshop Fachthemen vermittelt werden sollten.

Rolle

Eine weitere wichtige Herausforderung stellt das Verständnis für den Umgang mit der Beraterrolle dar, die für viele vollkommen neu ist. Man muss verstehen lernen, dass jedwede Einflussnahme durch externe Beratung äußerst zurückhaltend akzeptiert wird. Das dürfte für so manche ehemalige Linienführungskraft tatsächlich eine ungewöhnliche Situation sein, denn lange Zeit waren sie es gewohnt, dass ihre Entscheidungen (mitunter ohne große Widerstände) umgesetzt wurden. Ob ihre Vorschläge und Interventionen auf fruchtbaren Boden fallen, ist mehr als fraglich, denn beratene Systeme entscheiden selbst, wie sie sich verändern.

Wie wir sehen, sind fachliche, soziale und organisationale Kompetenzen, praktische Erfahrungen, das Verständnis über diverse Methoden sowie die Auseinandersetzung mit der neuen Rolle wichtige Grundlagen für die ersten Schritte in die Beratung.

In den folgenden Kolumnen wollen wir die zwei anderen Perspektiven untersuchen. Bleiben Sie also dran …

 

(Autor: Gerhard P. Krejci, E-Mail: Krejci@simon-weber.de)


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