Einblick Ausgabe 2/2017

„Man muss etwas vom Wesen der Bewegung verstehen, um einen Sinn für die Zukunft zu erlangen.“

Aristoteles

Eine Hype Kurve für das Change Management

Auf Basis von Everett Rogers Innovationsdiffusionstheorie entwickelte die IT-Analystenfirma Gartner 1995 eine einfache Visualisierungsmethode zur Positionierung von (IT-)Trends, die sich seither immer größerer Beliebtheit erfreut. Die Kurve beruht auf der Erfahrung, dass Trends hinsichtlich ihrer Auswirkungen kurzfristig überschätzt (und mit übersteigerten Erwartungen verknüpft), langfristig jedoch oft unterschätzt werden.

Der sogenannte Hype Cycle hilft bei der Einordnung von Trends und bei der gemeinsamen Planung von Investitionsvorhaben. Er besteht aus vier Phasen: Zunächst entsteht ein neuer Trend durch einen technischen oder methodischen Durchbruch oder aufgrund einer gesellschaftlichen Herausforderung (Auslösephase). Der Trend erreicht dann eine hohe Sichtbarkeit, z. B. in den Massenmedien und weckt so überhöhte Erwartungen (Hype Phase).
Daraufhin folgt in der Regel eine Phase der Enttäuschung, da der Trend seine Versprechen (noch) nicht einlösen kann oder weil die Einführung mit großen Begleitproblemen einhergeht (Tal der Ernüchterung). Je nachdem ob und wie diese Probleme gelöst werden, entwickelt sich das Thema dann weiter zum Plateau der Produktivität, bei dem das Konzept oder die Methode die volle Wirksamkeit erreicht.

Auf dieser Kurve haben wir aus unserer Sicht wichtige, Change Management-relevante Themen und Methoden gemäß ihrer momentanen Stufe platziert (in der Online-Version ist jeder Eintrag mit einer Erklärung versehen). Das Spektrum reicht dabei von relativ jungen Trends wie etwa dem Nudging-Ansatz, bis hin zu langjährig etablierten Ansätzen wie etwa Großgruppenmethoden im Sinne von World Café, RTSC oder Open Space. Jackie Fenn, die Erfinderin des Hype Cycle, warnt übrigens davor, die Kurve auf den Verlauf von Beziehungen im privaten Kontext anzuwenden, auch wenn dort vielleicht ebenfalls nach einer anfänglichen Euphorie des Kennenlernens und der folgenden leichten Enttäuschung nach einer Weile ein gegenseitiges Akzeptanzniveau erreicht wird.

nudge interaktiv

Literatur

Eppler, M.J., Kernbach, S. & Pfister, R. (2016). Dynagrams: Schäffer Poeschel.
Bresciani, S. & Eppler, M.J. (2008). Gartner’s Magic Quadrant and Hype Cycle, www.thecasecentre.org, Ref. Nr. 908-029-1. http://www.knowledge-communication.org/pdf/908-029-1.pdf

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