Ortmanns Ordnung

Kolumne: Das Institut Benjamenta, oder: Die Ironie der Organisation

Das Institut Benjamenta aus Robert Walsers Jakob von Gunten ist eine Knabenschule, in der nur ein einziges Buch gelehrt wird, das Buch «Was bezweckt die Knabenschule?» «Der Zweck der Schule, das Gesetz ihrer Gründung und ihres Daseins, ist die Einübung ihres Gesetzestextes», schreibt der Literaturwissenschaftler Rüdiger Campe (2004, S. 206), «die Unterweisung im Regelwerk vom Zweck der Schule» (ebd., S. 201). Das ist, als ob – aber was heißt hier als ob? – der Sinn und Zweck von Organisationen sich

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Kolumne: Kleists Schwester meets Molières Magd

Die Erregung ist groß. Leidgeprüfte Praktiker rufen «Death by Meetings», «Meetings Are Toxic» und «Don’t Let Meetings Rule». Auf- oder abklärungsbedachte Kommunikations- und Kulturwissenschaftler beugen sich gedankenschwer über Walter Benjamins Erwägungen zur Unterredung als Technik ziviler Übereinkunft und schreiben in der FAZ Sachen wie «Der runde Tisch und sein bellizistischer blinder Fleck» (Nils Werber). Daher hier, zur allseitigen Beruhigung, um nicht zu sagen, Besinnung, ein Lob des Meetings:

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Kolumne: Orbáns Ordnung - Die Medien und die Demokratie

Die Gründungsszene von Demokratien, ihr Ursprung, ihre Stiftung kann nicht selbst deren demokratischen Spielregeln folgen, denn die gilt es ja erst zu (be-)gründen. Diesen Geburtsfehler legen Demokratien nie ganz ab. Ihre Legitimität können sie allenfalls mit einer konstitutiven Nachträglichkeit begründen. Sie werden damit nie fertig. Unter anderem das hat Jacques Derrida mit seinem berühmten Diktum im Sinn gehabt: «Die Demokratie ist (und bleibt) im Kommen.» Im Kommen – oder im Gehen, wie man mit

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Kolumne: Volkswagen too big to fail

Mit Blick auf Volkswagen von einer Schicksalsgemeinschaft zu schreiben, da sträubt sich die Feder, und doch ... Am Schicksal des Unternehmens hängt bekanntlich das der Beschäftigten, 600.000 weltweit, ohne Zulieferer. Auch deswegen ist VW «too big to fail». In diesem Licht wohl dürfen und müssen wir die Milde sehen, mit der die Politik in Deutschland die causa - jenseits starker Worte - behandelt. Das Kraftfahrtbundesamt etwa hat im Oktober 2015 den von VW schon beschlossenen Rückruf von 2,5 Millionen

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Kolumne: Im Zweifel das Richtige tun

In einer volatilen, unsicheren, komplexen Welt voller Ambiguitäten soll man sich, heißt es, mit solchen Fähigkeiten rüsten, die befähigen, mit Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität zurechtzukommen ­ mit Agilität zum Beispiel, und mit Ambiguitätstoleranz. Das grenzt hart an das Karl Kraus zugeschriebene Diktum aus der Titelzeile, an eine Tautologie wie das Prinzip «Der richtige Mann an den richtigen Platz». In VUCAWelten braucht es VUCAgeeignete Führungskräfte und Gefolgsleute. Nun

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Kolumne: Digitale Welten: iron cage revisited?

«Sesam öffne dich ­ ich möchte hinaus!» Stanislaw Jerzy Lec Bürokratiekritik riecht etwas abgestanden ­ und hat sich im mer noch nicht erledigt. Max Weber mit seinem viel zitierten stahlharten Gehäuse der Hörigkeit war da nicht der Erste. Er hatte Balzac geschätzt, und von dem stammt bekanntlich die Qualifizierung der Bürokratie als von Zwergen bediente Rie senmaschinerie. Die wissenschaftlichen oder pseudowissen schaftlichen Fluchtpunkte dieser Kritik reichen von Human Relations bis zu Intrapreneurship

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Kolumne: Institutionen = Organisationen? Eine Widerrede

Als Anfang Januar Ulrich Beck gestorben war, jener Soziologe, der zwar keine Organisationstheorie vorgelegt, aber mit seiner Rede von der «organisierten Unverantwortlichkeit» einen Beitrag dazu geleistet hat, der so manchem Organisationstheoretiker und so manchem Praktiker ein Licht aufstecken könnte, da erschien in der Süddeutschen Zeitung (Nr. 3 vom 5./6.1.2015, S. 9) ein Nachruf von Anthony Giddens, seinem Weggefährten und Koautor. Giddens, der mit Abstand prominenteste Soziologe Englands, ehemals

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Kolumne: Gefahren der Idee vom Fluss der Dinge

Der dunkle Heraklit – Sie wissen schon: panta rhei, alles fließt – pflegt mit dem Satz zitiert zu werden: «Man steigt nie zwei mal in denselben Fluß». Ob Plutarch, Platon, Aristoteles oder Kierkegaard – alle haben sie diese Version überliefert. Heraklit aber war sozusagen noch dunkler – und gewitzter, denn was er wirklich gesagt hat, war (so jedenfalls steht es in den «Frag menten des Heraklit», herausgegeben von Bruno Snell): «In die gleichen Ströme steigen wir und steigen wir nicht...» Was der zweite,

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Kolumne: Von Frauen, Männern und männlichen Kinnladen

Wenn männliche Probanden in einen Hirnscanner gelegt und mit Fotos von schönen Frauen im Bikini und von Schraubenschlüsseln konfrontiert werden, zeigen einer Studie der Psy chologin Susan Fiske zufolge die gleichen Hirnareale rege Aktivität jene nämlich, die der Handlungsvorbereitung dienen. So stand es einmal in der Süddeutschen Zeitung, unter der Über schrift: «Zehn Dinge, die Sie noch nicht wissen über Männer». Um daraus Lehren, betreffend die Frauen als Agentinnen des Wandels, ziehen zu können,

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Kolumne: Über das Tasten

Nicht alles Tasten ist Experimentieren. Aber alles Experimentieren ist ein Tasten. Nicht nur, versteht sich, aber auch. Die Metapher und die Manöver des Tastens verdienen, finde ich, Aufmerksamkeit und Respekt: mehr, als ihnen üblicherweise von Theoretikern, aber auch von Praktikern gezollt wird. Dem Tasten kommt eine Zartheit, Behutsamkeit, Achtsamkeit, mit Rücksicht und Vorsicht gepaarte Neugier und, nicht zuletzt, eine Offenheit für Überraschungen und Bedeutungsvielfalt zu, die, zusammengenommen,

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