Der Schwerpunkt

ZOE

Schwerpunkt:

Meme. Meinung. Manipulation

Die Macht der Kommunikation

Lauter, frecher, jetzt!?


Ein Team von Wissenschaftlern des Massachusetts Institute of Technology untersuchte Twitter-Meldungen aus den Jahren 2006 bis 2017 auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Verbreitung. Das Ergebnis: Ein unwahrer Inhalt hat gegenüber Tatsachen eine um siebzig Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, weiterver­breitet zu werden. Warum das? Erstens wirken Fälschungen oft neuer, quasi frischer als Wahrheiten. Zweitens berühren sie eher die Gefühle ihrer Konsumenten. Genau an diesem Punkt erliegen ihnen, so heißt es in der Studie, oft auch Nutzer, die grundsätzlich an der Wahrheit interessiert sind: Emotionen sind stärker als jede Vernunft.

Ohne Zweifel, Kommunikation befindet sich im Wandel. Und das bringt Organisationen jeglicher Art gehörig unter Druck. Die Deutungshoheit über Geschehnisse innerhalb und außerhalb der Organisationsgrenzen oblag bisher der Leitungs- und Führungsebene. Kommunikation war Chefsache. Auf sorg­fältig im Vorfeld abgestimmte und besonnene Art wurden Mitarbeitende über zurückliegende und anstehende Ereignisse informiert. Ganz nebenbei wurde dabei demonstriert, wer in der Organisation das Sagen hat. Wer über Macht verfügt, kann Einfluss nehmen – Kommunikation ist der Hebel dazu.

Spätestens seit der massentauglichen Nutzung sozialer Medien kommt dieses tradierte Verständnis von Kommunikation spürbar an seine Grenzen. Kommunikation läuft schneller, ein­gängiger, mutiger, frecher und ja, nicht selten auch irri­tie­render. Die dahinter liegenden Rollen von Sender und Empfänger verschwimmen. Kommunikation erfolgt heute stetig und mitunter ohne Rücksicht auf Wahrheitsgehalt. All das ist Grund genug, diese Entwicklungen einmal näher zu betrachten. Mit der vorliegenden Ausgabe fragen wir uns: Wie steht es um Glaub­würdigkeit und Wahrhaftigkeit in Zeiten von kommunikativer Manipulation und Fake News? Was bedeutet das für Kommuni­kation im Wandel von Organisationen und deren Veränderungsarbeit? Und: Was braucht es dafür? Führung oder Verführung?

Wir haben darüber mit dem Fernsehmoderator und Herausgeber der deutschen Ausgabe der Huffington Post Cherno Jobatey gesprochen – und uns hierzu von Winfried Berner eine Meinung eingeholt. Christian Scherg, Experte für Reputationsmanagement, erläutert uns, warum Krisenkommunikation in Zeiten von Shitstorms für Unternehmen von zentraler Bedeutung ist. Die Kommunikationsexperten Susanne Dold und Christian Röbcke-Gronau demonstrieren an einem Beispiel, was bei Kommunikationsarbeit im Wandel unerlässlich ist. Dass Kommunikation – verstanden als Einflussnahme auf das Verhalten von Menschen – immer auch etwas mit Macht zu tun hat, erläutert uns Dacher Keltner, Professor für Psychologie an der University of California.

Wandel und Kommunikation waren schon immer zwei Seiten derselben Medaille. In Zeiten von Fake News kann man klugen Kommunikationsarchitekturen jedoch nicht genug Auf­merksamkeit geben. Planen Sie daher Ihre Kommunikation als Dialog, beharren Sie auf verbindlichen, überprüfbaren Aussagen und emotionalisieren Sie fair und mit Augenmaß.

Wir hoffen, dass Ihnen diese Ausgabe hierzu relevante Impulse geben wird. Selbst wenn Sie die dargestellten Meinungen der Autorinnen und Autoren nicht teilen, können Sie sicher sein, dass sie allesamt der Wahrheit entsprechen – oder nicht?

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