Der Schwerpunkt

ZOE

Schwerpunkt:

Wenn’s brennt

Klug handeln in der Krise

Vor der Klippe stehen


Am Berg und in Organisationen lauern ein hohes Maß an Herausforderungen und Gefahren: Sei es in eine verschneite Gletscherspalte zu fallen oder einen Megatrend zu verpassen. Mindestens genauso herausfordernd ist es dabei den effektivsten Weg zu wählen, um diesen Gefahren zu begegnen. Doch was passiert, wenn jegliche Form der Absicherung oder Vorkehrung nicht mehr greift? Wenn die Situation ausweglos erscheint? Wenn Sie sprichwörtlich über dem Abgrund stehen? Willkommen in der Krise! Für Bergsteiger und Menschen in Organisa­tionen gilt dann gleichermaßen: Wer sein Rüstzeug in der Krise nicht beherrscht, wird scheitern.

Krisen, verstanden als Höhe- und Wendepunkte einer Kon­fliktentwicklung, stellen Menschen in Organisationen vor erhebliche Herausforderungen – gerade dann, wenn sie unvorbereitet damit konfrontiert werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Keine ausreichende Beachtung relevanter Umweltfaktoren, mangelnde Selbsterneuerung, unwirksamer Wandel, toxische Organisationskulturen und vieles mehr. Organisationen sterben, weil sie Krisen entweder nicht sehen wollten, sie zu spät erkannt oder falsch darauf reagiert haben.

Krisen sind aber auch eine Chance: Eine Chance für Veränderung. Deren Gestaltung erfolgt dabei jedoch nach anderen Spielregeln. Ausgiebige Diagnosephasen, reflektierte Analyse­arbeit und das Bauen kluger Interventionsarchitekturen: All das geschieht in der Krise im Zeitraffer, wenn überhaupt. Nicht selten stellt man dann fest, dass es für nachhaltige Organisa­tionsentwicklung schlichtweg zu spät ist. Und dann? Mit dieser Ausgabe schauen wir gemeinsam mit Ihnen über die Klippe.

Ein Berufsfeld, in dem die Krise quasi immer mitgedacht wird, ist die Luftfahrt. Piloten müssen auf den Ernstfall vorbereitet sein, um besonnen zu handeln. Wie man diese Fähigkeit erlangt, erklärt uns eindrucksvoll Martin Egerth von Lufthansa. Ziel in Krisensituationen ist es, «vor die Lage zu kommen». Wie dies Individuen aber auch Teams oder ganzen Nationen gelingt beleuchten wir in den Beiträgen von Simon Rulofs, Axel Bédé sowie Rolf van Dick und Jared Diamond. Das dabei aufgezeigte Handlungsrepertoire in Krisensituationen ist beachtlich. Oliver Mack und Lothar Köppl skizzieren für uns, wie man auch in Krisensituationen wirkungsvoll Wandel gestalten kann. Sehr dankbar sind wir zudem für die mitunter bewegenden Einblicke, die uns Bundesliga-Trainer Alexander Nouri und Entwicklungshelfer Carsten Schmitz-Hoffmann in ihr ganz persönliches, ganz sicher nicht immer krisenfreies Arbeits­um­feld gegeben haben.

Wir freuen uns, Ihnen mit der vorliegenden Ausgabe einen Einblick in ein vielschichtiges, oft unwegsames und nicht selten tabuisiertes thematisches Terrain in Organisationen zu geben.

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