Der Schwerpunkt

ZOE

Schwerpunkt:

Leistungsfreude

Lektionen aus dem Sport

Zuversicht ist Pflicht


Organisationsentwicklung ist manchmal ein wenig freudvolles Geschäft. Bedenkenträger wollen gewonnen, Konfliktparteien befriedet werden, damit es mit dem Wandel vorwärts geht. Der Blick in eine unbestimmte Zukunft verunsichert die Beteiligten. Erfolgsgarantien gibt es nicht. Jeder Veränderungsarbeiter hat wahrscheinlich schon einmal erlebt, wie sich dieser eine Moment anfühlt, an dem es nicht mehr weiterzugehen scheint. An dem die Unkenrufe aus der Kaffeeküche die Deutungshoheit gewinnen und kollektive Verzweiflung das Gebot der Stunde zu sein scheint. Je erfolgreicher die Organisation in der Vergangenheit war, je mehr also beim Wandel auf dem Spiel steht, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Change auch diese dunklen Phasen hat. Verlustangst ist die Mutter der Stagnation. Die eintretende Change Fatigue hat oft eine beeindruckende Zähigkeit.

In vielen Organisationen ist es Tradition, den auftretenden Sorgen und Nöten der Betroffenen ganz viel Aufmerksamkeit zu widmen. Die klassische Organisationsentwicklung hält dafür ein ganzes Kompendium an Beteiligungsinstrumenten bereit. Was bei der trauerkurvig-nachdenklichen Haltung der Organisationsentwicklung manchmal verloren geht, ist die Vorstellung, dass Menschen den Wandel tatsächlich wollen könnten. Insbesondere die Promotoren und Pioniere sehnen den Change häufig herbei. Und sie sind bereit, dafür mit Freude Höchstleistungen zu bringen. Wohl deshalb setzen die Adepten der Agilen Methode vor allem auf die Mitmacher und zeigen gegenwärtig überall auf eindrucksvolle Weise, wie Change im Vorwärtsgang aussehen kann.

Als Inspiration für diese hoffnungsfrohe Haltung haben wir diese Ausgabe der OrganisationsEntwicklung dem Sport gewidmet. Im Sport ist Freude an der Leistung Programm. Hier ist Zuversicht Pflicht. Sportler scheitern erfolgreicher. Und Sport begeistert. Heike Bruch und Stefan Berger zeigen am Beispiel Porsche Motorsport, wie gesunde Schnelligkeit zum Managementprinzip werden kann. Im Gespräch mit Harvard-Professorin Amy Edmondson lernen wir, wie sich kontinuierliche Spitzenleistung in Teams erreichen lässt. Markus-Oliver Schwaab erklärt, was Unternehmen von professionellem Sport alles lernen können. Wie professionelle Sportorganisationen ticken und was den Wandel dort voraussetzungsvoll macht, ist das Gesprächsthema unter den Personalverantwortlichen von Eintracht Frankfurt, VfL Wolfsburg, des FC St. Pauli und des Deutschen Olympischen Sportbundes. Besonders tief geht unser Gespräch mit Bernd Wahler, ehemaliger Markenchef von adidas, der seine persönlichen Erfahrungen als Präsident des VfB Stuttgart teilt. Es zeigt sich: Obschon Wandel auch in der Bundesliga kein Spaziergang ist, lohnt sich die positive Haltung. Oder wie es der Vorstandsvorsitzende der Telekom AG Tim Höttges in seinem Beitrag ausdrückt: Sei kein Frosch!

Aus dem Sport lässt sich viel für die Veränderungsarbeit lernen. Zuallererst einen entspannt-zuversichtlichen Blick auf die Welt. Die Freude an der Leistung, einen unvergleichlichen Umgang mit dem eigenen Scheitern. Und vieles andere.

Nehmen wir’s also sportlich.

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