Aktuelle Rezensionen

Unsere Rezensenten, die alle selbst als Praktiker oder Wissenschaftler in den Bereichen Organisationsentwicklung, Change Management, Coaching, Führung und Weiterbildung tätig sind, besprechen in der Rubrik „Bücher“ im Heft regelmäßig aktuelle Literatur und schätzen deren Relevanz für Sie als Leser ein.

Unten geben wir einen kleinen Einblick in die Buchbesprechungen aus der aktuellen Ausgabe.

 

Bücher


Zwei Buchrezensionen aus Heft 04/2017 vorgestellt von Oliver Haas (OH) und Philipp Lüninghöner (PL):

Herbert Happel
Hierarchie als Chance
Für erfolgreiche Kommunikation und Kooperation in Team und Organisation
Springer 2017, 217 Seiten, Euro 34.99,
E-Book: Euro 26.99

Im Museum for American History in Washington D.C. kann man neben dem Star Spangled Banner oder der Gitarre von Bob Dylan auch die erste Organisationsstruktur der Baltimore Ohio Railroad Com­pany aus dem Jahr 1827 bestaunen. Hier findet man einen Leiter, der verschiedenen Abteilungsleitern vorsteht, die wiederum ihrerseits kleinere Organisationseinheiten unter sich versammeln. Die klassische Pyramide: Jemand hat einen Chef, der einen Chef hat, der einen Chef hat. Legt man nun diese Organisationsstruktur neben ein Organigramm ir­gendeines x-beliebigen mittelständischen oder größeren Unternehmens der Gegenwart, so sieht man auf den ersten Blick keinen wirklichen Unterschied. Die Hierarchie, verstanden als ein Prinzip der Gestaltung von Zusammenarbeit in Organisationen, hat nicht nur sämtliche Managementmoden der letzten Jahrzehnte erfolgreich überlebt, sie erfreut sich auch heute – trotz Agilitätspostulaten – weiterhin einer großen Beliebtheit.

Herbert Happel, Supervisor und Coach, wundert das nicht. Denn für ihn ist und bleibt die Hierarchie ein relevantes Strukturprinzip organisationaler Kooperation. Es kommt nur auf die Dosierung und Ausgestaltung an. Aufbauend auf einer historischen und definitorischen Beschreibung von Organisation und Hierarchie, führt der Autor in die Entstehung von Hierarchie als ein emergentes Phänomen der Modernisierung ein. Dabei wird vor allem das hohe Maß an Kontextualisierung dieses Strukturprinzips deutlich und führt einem vor Augen, warum Hierarchie auch heute noch eine hohe Attraktivität in Organisationen besitzt. Klarheit, Funktionalität und das Gefühl der Kontrolle sind zutiefst menschliche Bedürfnisse, die durch Hierarchie bedient werden. Ganz besonders auffällig wird dieses Phänomen in der täglichen Kommunikation und Zusammenarbeit, also in der Ablauforganisation. Hier zeigt Happel, wie Hierarchie sachdienlich angewandt werden kann, welche Implikationen dies für Kommunikation hat und welche Wirkungen Hierarchie beispielsweise auf die Entscheidungsfindung haben kann.

Das Buch endet mit einem Abriss verschiedener Subthemen von Hierarchie, etwa des Rollenbewusstseins für Führungskräfte in hierarchischen Organisationen. Jedem Kapitel ist eine Kurzzusammenfassung voran gestellt und endet mit verwendeten Literaturquellen. Dadurch kann man das Buch auch pro Kapitel konsumieren und direkt in den Text springen.

Das Buch ist Teil einer größer angelegten wissenschaftlichen Arbeit des Autors und ist in einem sicherlich etwas gewöhnungsbedürftigen Sprachstil verfasst. Ziel des Buches ist es, dazu beizutragen, einen «positiven Zugang» zu Hierarchie zu ermöglichen, insbesondere in Zeiten wo das Bild von Hierarchien fast ausschließlich auf negativen Attributionen basiert. Diesem Anspruch wird das Buch leider nur in Teilen gerecht. Schön wäre z. B. gewesen, mehr über die Anschlussfähigkeit von Hierarchie an eben die derzeit sehr populären agilen Steuerungsmodelle in Organisationen zu erfahren. Angedeutet wird dies durch aufgezeigte Fallstricke und Schwächen von Hierarchie.

Insgesamt ist Herbert Happel mit «Hierarchie als Chance» aber ein kompakter und aufschlussreicher Einblick in ein Steuerungs- und Organisationsmodell gelungen, welches sich ganz sicher auch in Zukunft erhalten wird. Wer daher nicht nur mehr über die Entstehungsgeschichte, sondern auch die Rezeption und Gelingensbedingungen von Hierarchie erfahren will, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. (OH)

 

Dark Horse Innovation
Thank God it’s Monday
Wie wir die Arbeitswelt revolutionieren
Econ 2014, 208 Seiten, Euro 16.99

Thank God it’s Monday! In dem Buch mit diesem wunderbaren Titel beschreiben 30 junge Design Thinker, wie sie sich eine Arbeitswelt geschaffen haben, in der man nicht laufend den Feierabend oder das nächste Wochenende herbeisehnt: «Weil die verfügbare Arbeit nicht unseren Erwartungen entsprach und wir jung und naiv waren, schickten wir uns an, die Arbeit zu ändern. Wir gründeten eine Firma, in der wir so arbeiten konnten, wie wir uns das wünschten.» Gute Arbeit, das heißt für die Gründerinnen und Gründer von Dark Horse Innovation, die widersprüchlichen Erwartungen ihrer Generation unter einen Hut zu bringen: selbstbestimmt, aber nicht alleine zu arbeiten; Chef zu sein, aber zugleich fachlich tätig zu bleiben; gemeinsam und gleichberechtigt zu entscheiden und trotzdem zu Ergebnissen zu kommen.

Die Autorinnen und Autoren betten diese Erzählung ein in ein Porträt der ihnen zugehörigen Generation Y und der Arbeitswelt, auf welche diese gerade trifft. Spannend wird es aber vor allem dort, wo sie direkt über ihren eigenen Weg berichten. Wie sie etwa Klöster als Vorbild für ihre Organisationsform entdeckten, die Autonomie und Gemeinschaft zugleich ermöglichen sollte. Oder wie sie als Kollektiv beinahe scheiterten, weil sich mit der Zeit bevorzugte Rollen im Team herausbildeten – und daraufhin begannen, alle Aufgaben konsequent zu rotieren.

Als OE-interessierter Leser muss man sich diese Stellen etwas zusammensuchen. Zwar gibt es eine Unterteilung in Kapitel, die sich beispielsweise mit soziokratischem Entscheiden, der Gestaltung von innovationsfördernden Arbeitsräumen oder der Suche nach einem gerechten Entlohnungssystem für Dark Horse Innovation befassen. Aber insgesamt ist das Buch eher geschrieben wie ein großer Essay und wechselt fließend zwischen Aussagen zur Arbeitswelt, zur Generation Y und zum eigenen Unternehmen.

Manche Passage zum Wandel der Arbeitswelt wirkt dabei drei Jahre nach Erscheinen der Erstauflage schon nicht mehr taufrisch und die eine oder andere Beschreibung der eigenen Altersgruppe kommt mit arg viel Knalleffekt daher. Dafür beschreibt sich hier die Genera­tion Y nachvollziehbar im O-Ton und wird nicht von außen porträtiert. Es ist auch einfach sympathisch, wie diese 30 jungen Menschen ihren Weg gehen. Wer Spaß an dem interessanten und auch unterhaltsamen Erfahrungsbericht einer innovativ organisierten Beratungsfirma hat, der wird die gut 200 Seiten gerne lesen. (PL)


Rezensionen der folgenden Titel vorgestellt von Joachim Freimuth (JF), Oliver Haas (OH), Tania Lieckweg (TL), Philipp Lüninghöner (PL), Karsten Trebesch (KT) und Brigitte Winkler (BW) finden Sie im aktuellen Heft 04/2017 der OrganisationsEntwicklung:

Joana Krizanits/Martina Eissing/Kurt Stettler
Reinventing Leadership Development
Führungskonzepte – Leitkonzepte – radikal neue Praxis
Schäffer Poeschel 2017, 352 Seiten,
Euro 49.95

 

Benedikt Hackl/Marc Wagner/Lars Attmer/Dominik Baumann
New Work: Auf dem Weg zur neuen Arbeitswelt
Springer Gabler 2017, 234 Seiten,
Euro 39.99, E-Book: Euro 2.99

 

Carsten C. Schermuly
New Work – Gute Arbeit gestalten
Psychologisches Empowerment von Mitarbeitern
Haufe 2016, 224 Seiten, Euro 49.95,
E-Book: Euro 44.95

 

Catharina Bruns/Sophie Pester
Frei sein statt frei haben
Mit den eigenen Ideen in die kreative berufliche Selbstständigkeit
Campus 2016, 239 Seiten, Euro 22,
E-Book: Euro 18.99

 

Markus Väth
Arbeit – die schönste Nebensache der Welt
Wie New Work unsere Arbeitswelt revolutioniert
Gabal 2016, 256 Seiten, Euro 29.90,
E-Book: Euro 20.99

 

Simone Achermann/Stephan Sigrist
Wie wir morgen leben
Denkanstöße für das Zeitalter der Langlebigkeit
NZZ Libro 2017, 220 Seiten, Euro 34

 

Top