Einblick Ausgabe 1/2013

„Selbst der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.“

Laotse

Schubsen als Wandelansatz

Nudge (englisch für ‚Schubser‘) ist ein Ansatz, um Menschen durch die subtile Ausnutzung von Denkfehlern für (positive) Verhaltensänderungen zu gewinnen. Wandelrelevante Denkfehler sind z.B. das dichotome (entweder-oder) Denken, mentale Trägheit oder die Präferenz für den Status-quo. Der Nudge Ansatz basiert auf dem gleichnamigen Buch der beiden Professoren Richard Thaler und Cass Sunstein, die ihn vor allem auf Gesundheits- und Konsumentscheidungen anwenden. Die Grundidee von Nudge basiert auf der bewussten Gestaltung bzw. Optimierung der eigentlichen Handlungs- und Entscheidungssituation, in der Verhaltensänderung beginnt. Thaler und Sunstein nennen dies die ‚Entscheidungsarchitektur‘, die gezielt geplant und gestaltet werden muss, damit sich Menschen von sich aus für eine Verhaltensänderung entscheiden. Diese Architektur kann durch die folgenden Mechanismen Veränderungsbereitschaft erhöhen:

  1. Definieren Sie Ausgangswerte (‚default values‘) so vor, dass sie eine gute (wandelfreudige) Entscheidung erleichtern. In Ländern, in denen die Organspende der gesetzliche Ausgangswert ist, gibt es z.B. viel mehr Organspender als in Ländern, in denen man extra einen Spenderausweis braucht. Nutzen Sie also Opt-out Klauseln anstatt Opt-in Verfahren (z.B. bei Trainingsangeboten).
  2. Schaffen Sie Attraktoren für Aufmerksamkeit, so dass wichtige Veränderungsbotschaften auch in der Entscheidungssituation wahrgenommen werden (z.B. neben dem Lift, im Sitzungszimmer, beim Warten in der Cafeteria etc.).
  3. Zeigen Sie vordefinierte Entscheidungswege auf, denen man ohne große Mühe für die Verhaltensänderung folgen kann (dadurch reduzieren Sie Komplexität als Wandelbremse). Machen Sie z.B. ein neues IT-System viel einfacher zugänglich als das alte, das Sie ablösen möchten.
  4. Ermöglichen Sie rasches Feedback auf verändertes oder nicht verändertes Verhalten.
  5. Formulieren Sie das Ziel so, dass sein (momentaner) Erreichungsgrad klar sichtbar wird, z.B. als verbleibender Unterschied vom Ist- zum Sollzustand. Schaffen Sie für diesen wie für den Punkt 4 einfache Echtzeitindikatoren des Umsetzungserfolges.
  6. Achten Sie auf Anreize, welche die Veränderung zum Ziel hin unterstützen. Belohnen Sie dabei auch schon kleine Verhaltensänderungen in Richtung des Zieles.

Thaler und Sunstein nennen diesen (z.T. fast manipulativen) Wandelansatz ‚libertären Paternalismus‘, da er niemanden zu einer Veränderung zwingt, jedoch subtile Anstöße für Veränderungen gibt.

Weiterführende Literatur:

Thaler, R.H. & Sunstein C.R. (2009).
Nudge. Wie man kluge Entscheidungen anstößt. Econ.


OrganisationsEntwicklung Ausgabe 1/2013 - Alles bleibt gleich

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