Einblick Ausgabe 2/2020

„Wissen spricht, aber Weisheit hört zu.“

Jimmy Hendrix

Zuhör-Radar

Ob es um Wandelwiderstände der Belegschaft geht oder um ein akutes Problem eines Kollegen: Aktives Zuhören ist eine Schlüsselfähigkeit für Change Manager. Durch aktives Zuhören stärken wir die Vertrauenskultur, pflegen die Beziehungsqualität und vertiefen unser Problemverständnis.

Es lohnt deshalb, sich die wichtigsten Do’s und Dont’s des aktiven Zuhörens vor Augen zu führen. Mit dem «Zuhör-Radar» überprüfen Sie, welche positiven Ansätze Sie bereits praktizieren und welche kontraproduktiven Verhaltensweisen Ihnen manchmal dazwischen funken.

Der Radar ist nach dem Konzept der «vier Ohren» von Schulz von Thun strukturiert: Er betrachtet vier Aspekte jeder Mitteilung, auf die wir hören sollten. Diese sind der Inhalt (um was es geht), Be­ziehungsaspekte (z. B. die Rollenteilung), Appellfunk­tionen (was der Sprechende möchte) und Selbst­offenbarungskomponenten (was er oder sie über sich preisgibt). Als guter Zuhörer achtet man dabei auf alle vier Aspekte, auch wenn diese manchmal sehr subtil ausgedrückt werden: Man klärt den Inhaltsaspekt durch aktives Nachfragen und periodi­sches Zusammenfassen. Man schafft auf der Bezie­hungsebene Vertrauen durch eine positive Grundhaltung und volle Aufmerksamkeit. Die Appelle des anderen nimmt man ernst und bietet entsprechend Unterstützung an (ohne jedoch das besprochene Problem zum eigenen zu machen). Man hilft der Selbsterkenntnis und Selbststärkung des anderen, indem man ihn oder sie in der Reflexion unterstützt und sich selbst dabei zurücknimmt.

Lassen Sie Ihren eigenen Zuhörradar deshalb immer wieder seine (volle) Runde drehen und achten Sie auf schwache Signale, seien es implizite Anliegen, schwierige Inhalts- und Beziehungsaspekte oder auch sensible Informationen über Ihr Gegen­über selbst.

Auf diese Weise entwickelt sich aus einem Gespräch ein echter Dialog, der die Beziehungsqualität und die Kooperationskultur stärkt – besonders dann, wenn Sie als Führungskraft auch eine Vorbildfunktion in Sachen Zuhörkompetenz wahr­neh­­men können. Auch Wandel gelingt besser, wenn Change Manager selbst in turbulenten Zeiten ein Gehör für ihr Gegenüber haben. «Ohren auf» anstatt «Augen zu und durch» lautet die Devise.

Martin J. Eppler


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