Einblick Ausgabe 2/2011

„Nichts vermag ein beschäftigter Mensch weniger als zu leben; kein Wissen ist schwerer zu erlernen als gerade dieses.“

Seneca

Sisyphusarbeit und Burnoutgefahr

Gerade Führungskräfte sind durch die Fülle ihrer Verpflichtungen und den ständigen Erfolgsdruck in besonderem Maß vom Burnout Syndrom betroffen. Burnout ist eine chronische Erschöpfung aufgrund einer übermäßigen Belastung (meist am Arbeitsplatz). Man erkennt die Gefahr eines potenziellen Burnouts, wenn man sich ähnlich wie Sisyphus aus der griechischen Mythologie, quasi an einem steilen Berg wähnt, an dem einen der Stein, den man hinaufschieben muss, kurz vor dem Ende zu entgleiten droht. Man fühlt sich durch die Belastung und den Druck ausgelaugt. Man hat das Gefühl, große Herausforderungen alleine bewältigen zu müssen und verspürt wenig Handlungsspielraum. Rollen- und Zielkonflikte, ermüdende Reisetätigkeiten, hoher Zeitdruck und mangelnde Gelegenheiten, das Erreichte auch ausgiebig zu genießen verstärken das Gefühl des Ausgebranntseins.
Folgende Praktiken haben sich im Managementkontext als Burnout Prophylaxe bewährt: Setzen Sie klar Grenzen bezüglich der Erwartungen, die an Sie gestellt werden. Trauen Sie sich, auch einmal nein zu sagen, wenn Sie bereits ausreichend Verpflichtungen eingegangen sind. Delegieren Sie, wenn möglich, Aufgaben an andere, suchen Sie sich aktiv Unterstützung und nehmen Sie Hilfsangebote an. Überdenken Sie zudem Ihre Ziele. Gibt es Ziele, die Sie getrost streichen können? Des Weiteren gerät in Zeiten großer Belastung oft die gesunde Ernährung und die Bewegung in Vergessenheit, achten Sie darauf. Feiern Sie erreichte Ziele mit Freunden und Kollegen bewusst und gönnen Sie sich nach anstrengenden Phasen eine körperliche und geistige Erholungsperiode. Eine langwierige Aufgabe sollten Sie in Zwischenziele einteilen und aus bisher Erreichtem neue Motivation für das nächste Zwischenziel schöpfen. Ziele kann man dabei als eine Art Plattform begreifen, von der aus sich weitere, auch neue, unvorhergesehene Möglichkeiten ergeben.
Der eigentlich aus der Technik stammende Begriff des Burnouts oder Ausbrennens kann bis ins 16. Jahrhundert zu Shakespeare zurück verfolgt werden, der das Wort in dieser Form mehrfach verwendet. Den Kerngedanken des Konzeptes findet man jedoch bereits ausführlich in Senecas ca. 49 n.Chr. verfasstem Werk über die Kürze des Lebens. Doch erst im späten 20. Jahrhundert wurde die chronische Überlastung am Arbeitsplatz zu einem Thema mit breiter Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Vor Freudenberger, der oft als neuzeitlicher Vater der Burnout Theorie bezeichnet wird, wurde das Phänomen mehr im Sport und in der Kunst untersucht. Obwohl die oben beschriebenen Faktoren generell akzeptiert sind, ist die Burnout Literatur alles andere als einheitlich. Man unterscheidet beispielsweise individualpsychologische Erklärungen des Phänomens von arbeitsorganisatorischen, soziologischen und sozialpsychologischen Ansätzen. Ein gängiges Instrument, um Burnout zu messen, ist das Maslach Burnout Inventory (MBI, Maslach und Jackson 1981), das drei Dimensionen des Burnout-Syndroms erfasst: Emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit.

Literatur

Freudenberger, H.J. (1974):
Staff burnout. Journal of Social Issues, Volume 30, Issue 1, 159-165.
Litzcke, S.M. Schuh, H. (2007):
Stress, Mobbing, Burn-Out am Arbeitsplatz. Springer.
Maslach, C. und Jackson, S.E. (1981):
The measurement of experienced burnout. Journal of Occupational Behavior. 2, 99-113.
Maslach, C. und Jackson, S. E. (1986):
Maslach Burnout Inventory (2nd ed.). Consulting Psychologists Press.
Seneca (1977):
De brevitate vitae. Von der Kürze des Lebens. Reclam.


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