Einblick Ausgabe 3/2017

„Für viele Ereignisse ergeben sich 80 Prozent der Effekte aufgrund von ungefähr 20 Prozent der Ursachen.“

Vilfredo Pareto

Das Pareto-Prinzip: 80/20 als Priorisierungshilfe

Der italienische Ökonom Vilfredo Pareto entdeckte im 19. Jahrhundert, dass (zu seiner Zeit) 80 Prozent der italienischen (Land-) Vermögenswerte im Besitz von nur 20 Prozent der Bevölkerung waren. Der Qualitätsvordenker Joseph Juran und andere haben diese Entdeckung weiter generalisiert und – umformuliert – als 80/20-Prinzip bekannt gemacht. Sie argumentieren, dass man 80 Prozent des erwünschten Resultats erreichen kann, wenn man sich auf die kritischen 20 Prozent aller möglichen Ursachen oder Verbesserungen konzentriert. Wir sollten uns demnach auf diejenigen 20 Prozent aller möglichen Handlungen fokussieren, die uns bereits 80 Prozent der erwünschten Ergebnisse liefern. Im Englischen wird das Pareto-Prinzip deshalb auch als das «law of the vital few» bezeichnet, denn es sind die wenigen, kritischen Elemente (z. B. Grundursachen für Qualitätsprobleme), welche das Gros der positiven oder negativen Effekte (z. B. Kundenreklamationen) ausmachen. Das Pareto-Prinzip fordert uns auf, nur dort Perfektionist zu sein (d. h. eine 100-prozentige Lösung anzustreben), wo sich dies auch wirklich lohnt, denn es besagt auch, dass die verbleibenden 20 Prozent oft einen enormen Aufwand zu ihrer Erreichung erfordern.

Fragen Sie sich also z. B. im Change Management-Kontext, welche 20 Prozent Ihrer geplanten Wandelaktivitäten bereits 80 Prozent der gewünschten Transformationsziele bewirken können (und ob sich der Aufwand für die verbleibenden 20 Prozent lohnt bzw. ob man darauf auch verzichten könnte). Oder denken Sie im persönlichen Bereich darüber nach, welche 20 Prozent Ihrer täglichen Aktivitäten für 80 Prozent Ihrer Zielerreichung verantwortlich sind.

Natürlich ist in einigen Situationen oder Berufen bei der Anwendung des Pareto-Prinzips Vorsicht geboten; oder hätten Sie gerne einen Chirurgen, Flugzeugmechaniker oder Anwalt, der sich nur auf die nötigsten 20 Prozent konzentriert?

PS: Verwechseln Sie das Pareto-Prinzip übrigens nicht mit dem Pareto-Kriterium, das besagt, dass eine (Verteil- oder Verhandlungs-) Lösung dann optimal ist, wenn niemand mehr besser gestellt werden kann, ohne dabei jemand anderen schlechter zu stellen.

Literatur
Eppler, M.J. & Mengis, J. (2011). Management Atlas. Hanser.
Koch, E. & Mader, F. (2008). Das 80/20 Prinzip: Mehr Erfolg mit weniger Aufwand. Campus.


OrganisationsEntwicklung Ausgabe 3/2017 - Prinzipien des Wandels

OrganisationsEntwicklung Ausgabe 3/2017

Prinzipien des Wandelsn: Zwischen Anspruch und Anwendung

» Bestellen Sie die „OrganisationsEntwicklung Ausgabe 3/2017 – Prinzipien des Wandels“ bei uns im Handelsblatt Fachmedien Onlineshop

» Zurück zur Gesamtübersicht der Einblick-Grafiken