Einblick Ausgabe 4/2009

„Die Gemeinschaft stagniert ohne den Impuls des Einzelnen.
Der Impuls stirbt ohne den Zuspruch der Gemeinschaft.“

William James

Was braucht eine (virtuelle) Community?

Eine (virtuelle, internetbasierte) Gemeinschaft oder Community ist eine Gruppe von meist mehr als 20 Personen, die sich wiederholt (auf einer dafür eingerichteten Plattform) zu einem gemeinsamen Thema, einem gemeinsamen Ziel, oder einer gemeinsamen Aufgabe austauscht. Die Gemeinschaft definiert sich dabei über ein gemeinsames Interesse sowie über gewisse Werte, Regeln und Ziele. Viele Mitglieder einer Community sind bereit, etwas für diese zu leisten (z.B. eine Rolle auszuüben oder Fragen zu beantworten), möchten aber auch von anderen Mitgliedern profitieren (z.B. Rat erhalten oder Einfluss nehmen). Da eine Gemeinschaft meist auf Freiwilligkeit beruht, ist die Balance und Kontinuität innerhalb der Gemeinschaft stark von einer engagierten Kerngruppe abhängig. Diese weist üblicherweise eine hohe emotionale Bindung an die Community auf und identifiziert sich mit ihr. Sie übernimmt das Management der Austauschplattform.

Diese Plattform umfasst – zur Unterstützung der Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft – typischerweise folgende Elemente:

  • FAQs: Frequently asked questions = Eine Zusammenstellung (normalerweise durch einen Community Moderator) der am häufigsten gestellten Fragen von (neuen) Community-Mitgliedern.
  • (Bulletin oder Message) Board: Ein einfaches System, um Nachrichten an sämtliche Mitglieder der Community oder interessierte zu publizieren (ein so genanntes Posting)
  • Polling: Ein einfaches Instrument, um Abstimmungen oder Wahlen unter den Mitgliedern durchzuführen
  • Directory: Ein Verzeichnis aller Mitglieder der Gemeinschaft (inkl. deren Hintergrund)
  • News: Eine einfach zu aktualisierende Übersicht über Neuigkeiten und Veränderungen innerhalb der Community oder zu einem ihrer wichtigen Themen
  • Chat: Ein einfacher Dienst, um mittels Tastatur in Echtzeit mit anderen Mitgliedern kommunizieren zu können
  • (Knowledge) Maps: Grafische Übersichten zu Mitgliedern, Postings, Dokumenten oder Ereignissen innerhalb der Commnity
  • Archiv: Eine strukturierte Ablage für Dokumente, Videos, Postings etc. der Mitglieder
  • Charta: Ein periodisch erweitertes oder modifiziertes Dokument, welches die Ziele und Grundregeln innerhalb der Community klärt oder zur Diskussion stellt (z.B. als von jedem veränderbares Wikiforum)

Im betrieblichen Kontext sind Gemeinschaften mögliche Organisationsformen, um Wissen auszutauschen und zu entwickeln, kollaboratives Lernen zu organisieren, oder auch, um die Kundenbindung zu erhöhen (und von Kunden zu lernen). Natürlich gibt es noch viele weitere Typen von Gemeinschaften, z.B. (nach Anthony Giddens) ortsgebundene, verwandtschaftliche, freundschaftliche; Weber unterscheidet Hausgemeinschaften, Nachbarsgemeinschaften, ethnische, politische oder religiöse Gemeinschaften. Dank dem Internet existieren heute jedoch viele virtuelle Communities, wie sie sich etwa in Yahoo oder Google Groups, in der Open Source Szene oder auch in virtuellen Welten wie Second Life oder World of Warcraft (als Spielcommunity) gebildet haben.

Literatur

Brown, J.S. und Duguid, P. (1991). Organizational learning and communities-of-practice: Toward a unified view of working, learning and innovation, in: Organization Science, 2: 1, S. 40-57.
Eppler, M. und Diemers, D. (2001). Reale und virtuelle Gemeinschaften im betriebswirtschaftlichen Kontext: Ansätze zum Verständnis und zum Management von Communities. In: Die Unternehmung, (55) 1, S. 25-42.
Hagel, J. und Armstrong, A.G. (1997). Net gain: Expanding markets through virtual communities. Harvard Business School Press.
Rheingold, H. (2000). The virtual community, MIT Press.
Toennies, F. (1922). Gemeinschaft und Gesellschaft: Grundbegriffe einer reinen Soziologie, Curtius.
Wenger, E. (1999). Communities of practice, Cambridge University Press.


OrganisationsEntwicklung Ausgabe 4/2009 - Change-Extreme

OrganisationsEntwicklung Ausgabe 4/2009

Change-Extreme: Wandel unter erschwerten Bedingungen

» Bestellen Sie die „OrganisationsEntwicklung Ausgabe 4/2009 – Change-Extreme“ bei uns im Handelsblatt Fachmedien Onlineshop

» Zurück zur Gesamtübersicht der Einblick-Grafiken