Einblick Ausgabe 4/2015

„Unsicherheit ist keine angenehme Voraussetzung, Gewissheit jedoch ist eine absurde.“

Voltaire

VUCA-Vokabular

Um in einer turbulenten Welt bestehen zu können, benötigen wir Begriffe, die uns helfen, Veränderungen besser fassbar zu machen. Wir brauchen Unterscheidungen, die uns dabei unterstützen, die wesentlichen Treiber eines dynamischen und intransparenten Problems klar zu benennen. Dies ermöglicht es, sich effizient auszutauschen und dann gezielt zu handeln. VUCA steht einerseits für die Eigenschaft unserer heutigen Umwelt volatil, unsicher, «complex» und ambivalent (mehrdeutig) zu sein. Die Abkürzung kann aber auch als Lösungsansatz gelesen werden:

  • Volatilität erfordert eine Vision wohin sich ein System bei aller Fluktuation hinbewegt oder bewegen soll.
  • Unsicherheit erfordert «Understanding», also ein vertieftes Verständnis darüber, wie ein System auf Veränderungen reagieren kann.
  • Complexity erfordert Clarity im Sinne von klarer Kommunikation, um die wesentlichen Problem-Elemente und deren Wechselwirkungen transparent zu machen.
  • Ambivalenz (engl. ambiguity) erfordert Agilität (agility) um auf Kippeffekte – etwa wenn sich etwas vermeintlich Positives als negativ erweist – rasch reagieren zu können.

Um diese Lösungssicht des VUCA-Paradigmas zu nutzen, brauchen wir weitere Begriffe und Werkzeuge:

  • Vision: Um zu verstehen, auf welches Endziel sich ein dynamisches System von sich aus hinbewegt, helfen sogenannte Attraktoren als Orientierungspunkte (im Sinne von stabilen Zwischenstufen). Investitionen in Resilienz (im Sinne von Widerstandsfähigkeit) helfen zudem, um bei Schocks rasch wieder den Weg zur Vision beschreiten zu können. Dafür kann Hedging im Sinne von Risikoabsicherung hilfreich sein.
  • Understanding: Der Schmetterlingseffekt sensibilisiert uns für Wirkungsketten, bei denen kleine Ursachen indirekt große Wirkungen erzielen können («ein Schmetterlingsschlag versursacht einen Orkan»). Szenarien helfen uns, mögliche Entwicklungspfade zu verstehen und Reaktionsmöglichkeiten zu entwerfen.
  • Clarity: Modellierung und Simulation helfen uns dabei, die wesentlichen Elemente eines Systems klar darzustellen und in ihrer Dynamik zu begreifen. Die Verständnisillusion sensibilisiert uns für schädliche mentale Abkürzungen bei der Analyse eines Systems.
  • Agility: Sensitivitätsanalysen helfen uns besser zu verstehen, wo es sich lohnt, in ein System einzugreifen und wo Veränderungen wenig Wirkung erzielen. Improvisation hilft zuweilen dabei, das Heft des Handelns schneller zurück zu gewinnen.

Diese Ansätze finden Sie in verschiedenen Beiträgen der vorliegenden Ausgabe. Zudem finden Sie die Fachausdrücke aus dem Komplexitätsglossar im oben abgebildeten Einblicksbild wieder. In der Online-Version des Bildes sind die Begriffe mit Links unterlegt und mit weiteren Erklärungen versehen.

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