Einblick Ausgabe 4/2015

„Unsicherheit ist keine angenehme Voraussetzung, Gewissheit jedoch ist eine absurde.“

Voltaire

VUCA-Vokabular

Um in einer turbulenten Welt bestehen zu können, benötigen wir Begriffe, die uns helfen, Veränderungen besser fassbar zu machen. Wir brauchen Unterscheidungen, die uns dabei unterstützen, die wesentlichen Treiber eines dynamischen und intransparenten Problems klar zu benennen. Dies ermöglicht es, sich effizient auszutauschen und dann gezielt zu handeln. VUCA steht einerseits für die Eigenschaft unserer heutigen Umwelt volatil, unsicher, «complex» und ambivalent (mehrdeutig) zu sein. Die Abkürzung kann aber auch als Lösungsansatz gelesen werden:

  • Volatilität erfordert eine Vision wohin sich ein System bei aller Fluktuation hinbewegt oder bewegen soll.
  • Unsicherheit erfordert «Understanding», also ein vertieftes Verständnis darüber, wie ein System auf Veränderungen reagieren kann.
  • Complexity erfordert Clarity im Sinne von klarer Kommunikation, um die wesentlichen Problem-Elemente und deren Wechselwirkungen transparent zu machen.
  • Ambivalenz (engl. ambiguity) erfordert Agilität (agility) um auf Kippeffekte – etwa wenn sich etwas vermeintlich Positives als negativ erweist – rasch reagieren zu können.

nudge interaktiv

SensitivitätsanalysenAnalyse, welche Einflussfaktoren (bzw. deren Veränderung) einen besonderen Einfluss auf das Endergebnis ausüben.

https://de.wikipedia.org/ wiki/Sensitivitätsanalyse

Ambiguität
Complexity / Komplexität
Unsicherheit
Volatilität
Repräsentation eines Gegenstandes oder eines Prozesses im Bewusstsein eines Lebewesens

https://de.wikipedia.org/wiki/Unsicherheit

UnsicherheitUnsicherheit wird in Ungewissheit, Risiko und Unwissen unterteilt. Bei der Ungewissheit sind die möglichen Auswirkungen bekannt, man verfügt jedoch nicht über Informationen zur Eintrittswahrscheinlichkeit. Beim Risiko ist als zusätzliche Information die Eintrittswahrscheinlichkeit bekannt, nicht aber der Zeitpunkt. Beim Unwissen sind auch die Auswirkungen der untersuchten Handlungsalternativen nicht vollständig bekannt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Unsicherheit

Soziales NetzwerkSoziales System, bei dem der Wechselwirkung seiner Elemente besondere Bedeutung zukommt.

https://de.wikipedia.org/wiki/ Soziales_Netzwerk_(Systemtheorie)

AmbiguitätGemäß Empson „any verbal nuance, however slight, which gives room for alternative reactions to the same piece of language.“
-> interpretative Offenheit (etwas kann als gut oder schlecht interpretiert werden).

https://de.wikipedia.org/wiki/Mehrdeutigkeit

Deterministisches ChaosDeterministisches Chaos ist ein irregulär erscheinendes, chaotisches Verhalten, welches jedoch den Regeln einer deterministischen Dynamik folgt. Die scheinbare Nicht-Reproduzierbarkeit des Systemverhaltens entsteht durch die Nicht-Reproduzierbarkeit der (exakten) Ausgangsbedingungen, das heißt in chaotischen dynamischen Systemen ist die „starke Kausalität“ nicht gegeben: Ähnliche Ursachen führen nicht zu ähnlichen Wirkungen. Das Verhalten wird nicht durch zufällige äußere Umstände, wie beispielsweise Rauschen, verursacht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Chaos

Verhaltensänderung aufgrund von Einsicht

https://de.wikipedia.org/wiki/Lernen

Bezeichnet die Art und Weise, wie sich Akteure in einem System in gegenseitigem Bezug entwickeln und die Umwelt mitgestalten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Koevolution

Komplexität beinhaltet u.a.:

  • zahlreiche Elemente
  • mit hohem (vielseitigem) Interaktionsgrad
  • unter großer Dynamik
  • und geringer Transparenz

https://de.wikipedia.org/wiki/Komplexität

Selbstbezug. z.B. wenn man seine eigene Identität oder seine Wesensmerkmale klärt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstreferenzialität

Beschreibung durch Abstraktion

https://de.wikipedia.org/wiki/Modell

Die Weiterentwicklung eines Systems aus sich heraus.

https://de.wikipedia.org/wiki/Autopoiesis

Das spontane Reagieren und Aufbauen auf Vorschlägen anderer (Ja, und…).

https://de.wikipedia.org/wiki/Improvisation

Die Übermittlung einer Botschaft, die gegenseitige Verständigung. Der Austausch von Informationen und Emotionen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation

handelnder Mensch (in neueren Theorien können auch Infrastrukturen akteursgleich auf eine Situation einwirken)

https://de.wikipedia.org/wiki/Akteur

Ausrichtung eines Systems auf einen gemeinsamen Soll-Zustand.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ziel

Resultat einer Rückkopplung (Feedbackeffekt im System).

https://de.wikipedia.org /wiki/Zirkularität_(Kybernetik)

„Das Leben kann nur rückwärts verstanden werden, muss aber vorwärts gelebt werden.“
Sören Kierkegaard

https://en.wikipedia.org/wiki/Understanding

BeobachtungDer Schlüsselbegriff der neueren (deutschsprachigen) Systemtheorie

https://de.wikipedia.org/wiki/Beobachtung

Ein Unterschied, der einen Unterschied macht (nach Bateson: A difference that makes a difference).

https://de.wikipedia.org/wiki/Information

einfachstes Beispiel für Selbst- (vs. Fremd-)Organisation: Verkehrsregelung durch einen Kreisverkehr statt einer Ampel.

https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstorganisation

Typisches Beispiel hierfür ist die Gesellschaft.

https://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_System

Vorgehensweise zur Analyse von Systemen, indem man ihre Stati nachkonstruiert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Simulation

Kollektive IntelligenzKollektive Intelligenz, auch Gruppen- oder Schwarmintelligenz genannt, ist ein emergentes Phänomen. Kommunikation und spezifische Handlungen von Individuen können intelligente Verhaltensweisen des betreffenden „Superorganismus”, d. h. der sozialen Gemeinschaft, hervorrufen. Zur Erklärung dieses Phänomens existieren systemtheoretische, soziologische und philosophische, aber auch pseudowissenschaftliche Ansätze.

http://www.3sat.de/page/ ?source=/scobel/154572/ index.html

Gesamtheit von Elementen, die aufeinander bezogen und als nach außen hin abgegrenzte Struktur organisiert sind.

https://de.wikipedia.org/wiki/System

(Meist) aus Erfahrung abgeleitete Verhaltensgebote und -verbote. Aus soziologischer Sicht spricht man häufig von der Reproduktion von Regeln oder Normen, die dadurch, dass sie befolgt werden, immer weiterleben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Regel_%28Richtlinie%29

Absicherung gegen vermutete Risiken (z.B. durch zusätzliche Ressourcenreserven, Versicherungen oder derivative Finanzprodukte).

http://www.wirtschaftslexikon24.com /d/hedging/hedging.htm

gerechtfertigter, wahrer Glaube.
Know-how, know-what, know-why, know-who.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen

Agilität bezeichnet generell eine rasche und flexible Handlungs- und Reaktionsfähigkeit.
Der Begriff wird vor allem in der Softwareentwicklung verwendet, findet aber seit einiger Zeit auch in anderen Managementkontexten Verwendung. Diese verlinkte PDF-Studie fasst die Elemente und Varianten von Agilität übersichtlich zusammen.

http://www.qucosa.de/fileadmin/data /qucosa/documents/12960/ Foerster-Wendler_Theorien-Konzepte-Agilitaet_gesamt.pdf

Die Entstehung von neuen Eigenschaften oder Elementen aufgrund der (Eigen-) Dynamik eines Systemes.
Mehrdeutigkeit oder interpretative Offenheit. Wenn ein Ereignis mindestens in zwei unterschiedlichen Weisen interpretierbar ist (z.B. positiv und negativ, als Bedrohung oder Chance, als Hilfe oder Barriere).
Ausmaß der kurzfristigen Fluktuation einer Zeitreihe um ihren Mittelwert.

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/ Definition/volatilitaet.html

Die Verständnisillusion ist ein Phänomen, bei dem man meint, gewisse kausale Effekte wirklich verstanden zu haben, auch wenn dies nicht der Fall ist. Gründe hierfür sind wenig Feedback über die eigenen Handlungen oder auch das Vermischen von Abstraktionsebenen, wie auch unklare Umfeldeinflüsse.

http://scienceblogs.com/mixingmemory /2006/11/16/the-illusion-of-explanatory-de/

Quasi „Magnete des Verhaltens“ eines Systems oder bevorzugte Zustände, auf die ein System hintendiert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Attraktor

Resilienz (von lat. resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.
Das Gegenteil von Resilienz ist Verwundbarkeit (Vulnerabilität).

https://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_(Psychologie)

VUCA Volatility Uncertainty Complexity Ambiguity – eine Beschreibung des neuen Normalzustandes nach dem American War College.

https://en.wikipedia.org/wiki/Volatility,_uncertainty,_complexity_and_ambiguity

SchmetterlingseffektAls Schmetterlingseffekt (englisch butterfly effect) bezeichnet man den Effekt, dass in komplexen, nichtlinearen dynamischen, deterministischen Systemen eine große Empfindlichkeit auf kleine Abweichungen in den Anfangsbedingungen besteht. Geringfügig veränderte Anfangsbedingungen können im langfristigen Verlauf zu einer völlig anderen Entwicklung führen. Es gibt hierzu eine bildhafte Veranschaulichung dieses Effekts am Beispiel des Wetters, welche namensgebend für den Schmetterlingseffekt ist: „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in China einen Tornado in den USA auslösen?“

https://de.wikipedia.org/wiki/Schmetterlingseffekt

KLARE Kommunikation zeichnet sich aus durch eine _K_lärung des Kontextes, eine _L_ogische Strukturierung der Botschaft, eine Vermeidung von _A_mbivalenz (mehrdeutigen Aussagen), _R_esonanzreichen Stil und Beispiele, sowie durch eine _E_infache Sprache (aktiv, positiv, kurz) bzw. einen Fokus auf das _E_ssenzielle.

www.clear-communication.org

Leitbild, Soll-Zustand, Zukunftsbild

https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmensleitbild

Um diese Lösungssicht des VUCA-Paradigmas zu nutzen, brauchen wir weitere Begriffe und Werkzeuge:

  • Vision: Um zu verstehen, auf welches Endziel sich ein dynamisches System von sich aus hinbewegt, helfen sogenannte Attraktoren als Orientierungspunkte (im Sinne von stabilen Zwischenstufen). Investitionen in Resilienz (im Sinne von Widerstandsfähigkeit) helfen zudem, um bei Schocks rasch wieder den Weg zur Vision beschreiten zu können. Dafür kann Hedging im Sinne von Risikoabsicherung hilfreich sein.
  • Understanding: Der Schmetterlingseffekt sensibilisiert uns für Wirkungsketten, bei denen kleine Ursachen indirekt große Wirkungen erzielen können («ein Schmetterlingsschlag versursacht einen Orkan»). Szenarien helfen uns, mögliche Entwicklungspfade zu verstehen und Reaktionsmöglichkeiten zu entwerfen.
  • Clarity: Modellierung und Simulation helfen uns dabei, die wesentlichen Elemente eines Systems klar darzustellen und in ihrer Dynamik zu begreifen. Die Verständnisillusion sensibilisiert uns für schädliche mentale Abkürzungen bei der Analyse eines Systems.
  • Agility: Sensitivitätsanalysen helfen uns besser zu verstehen, wo es sich lohnt, in ein System einzugreifen und wo Veränderungen wenig Wirkung erzielen. Improvisation hilft zuweilen dabei, das Heft des Handelns schneller zurück zu gewinnen.

Diese Ansätze finden Sie in verschiedenen Beiträgen der vorliegenden Ausgabe. Zudem finden Sie die Fachausdrücke aus dem Komplexitätsglossar im oben abgebildeten Einblicksbild wieder. In der Online-Version des Bildes sind die Begriffe mit Links unterlegt und mit weiteren Erklärungen versehen.

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